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Div. Zeitungsberichte
Div. Zeitungsberichte

 

Aktuell für die JZ, die AZ und den Landboten im Oktober 019

 

 

 

Unsere Grenze, wer und was darf rüber ?

 

 Kirschlorbeer und Sommerflieder gehören, wie eine Reihe weiterer Pflanzen, die ihren Ursprung in fremden Ländern haben, nicht in die Gärten unserer Schweiz. So stand es in den Zeitungen. Es drängen also nicht nur Flüchtlinge in unser Land.

 Im Oktober wird gewählt. Politiker aller Parteien versprechen uns, nur das Beste für unsere Schweiz zu wollen. Einige PP`s (Partei-Politiker) wollen mit aller, auch manchmal mit fragwürdiger, Kraft verhindern, dass die Grenzen für Emigranten geschlossen bleiben oder nur für spezielle Härtefälle geöffnet werden. Bei diesen Herren wächst die Angst, dass unsere Sozialwerke von Ausländern angeknabbert werden oder für die bekennenden Eidgenossen nicht mehr ausreichen. Vermutlich wissen diese Wurmäpfelliebhaber nicht, dass Angst der schlechteste Ratgeber ist und aus Angst kaum neues und kreatives entstehen kann.

Jetzt las ich in den einschlägigen Zeitungen und Wochenendmagazinen, dass nicht nur einige Menschengruppen in unserem Land nicht willkommen sind, sondern dass seit Jahren diverse Pflanzen, Sträucher und Blumen aus fremden Ländern nicht in unsere Gartenkultur passen. Sie erdrücken die hiesigen Pflanzen und breiten sich mit jedem Jahr mehr aus. Bundesbern überlegt sich, wie ein Einfuhrverbot durchgesetzt werden kann und mit welchen Massnahmen die seit Jahren in Vorgärten und in freier Natur vorhandenen Exoten abgeholzt, ausgerissen und vernichtet werden können.

Manchmal frage ich mich, warum die Schweiz rettende Partei dieses neu definierte Unkraut noch nicht erkannt hat und daraus eine strategische Parallele zu den hochgekochten Ausländer-Grenz-Themen aufgegleist hat.

Und wenn die PP`s dann irgendwann das Klimathema verstanden und angenommen haben, dann gibt es neue Grenzthemen. Reduktion der importierten Fleischmengen - unsere Tierhaltung muss doch ausreichen. Weniger Landwirtschaftsprodukte aus anderen wärmeren Ländern, vielleicht auch weniger Wein darf die Grenze passieren.

Kritisch wird es, wenn liebgewordene Früchte oder auch Meeresfrüchte vor der Grenze halt machen müssten. Und ganz schlimm würde es, wenn das teure Öl vor der Grenze bliebe und unsere Autos kein Benzin mehr im Tank hätten. Ich bin sicher,

spätestens dann merken es auch die letzten PP`s, dass unsere Schweiz im Zentrum Europas liegt und mit all den heutigen Informationsmöglichkeiten sekundenschnell mit der ganzen Welt verbunden ist. In der Luft, auf dem Wasser und auf der Strasse werden auch der Schweiz nicht nur die lebenswichtigen Produkte angeliefert sondern auch die Luxus und Fun-Artikel. Und die werden in allen Ländern von Menschen der unterschiedlichsten Rassen und Kulturen erzeugt, geerntet und transportiert. Sind wir Teil der Globalisierung? Ich meine ja. Und wenn, aus welchen Gründen auch immer, an den Grenzen gestrandeten Flüchtlinge warten und leiden, dann sind es auch nur, aber immer noch, Menschen wie du und ich und keine ungeliebten exotischen Gewächse.

 

 

Keiner spricht über den inneren Klimawandel, warum eigentlich nicht ?

 Es ist schon verwunderlich, aber gut und richtig, was die junge Dame Greta Thunberg aus Schweden für einen notwendigen Klimawandel alles inszeniert und wen sie alle motiviert hat. Nicht nur die Demonstrationen in den Städten und auch auf dem Land haben viele Menschen geweckt und bewegt. Aber leider noch nicht alle. Und doch haben viele Länder und umweltorientierte Regierungen sich hinter Gretas Idee gestellt und neue respektive strengere Klimavorschriften erlassen. Aber es sind bis heute nur auf Papier niedergeschriebene Ziele, einige sogar mit Umsetzungsvorgaben. Viel Papier und schöne Worte. Darf man jetzt wirklich auf die Umsetzung hoffen, Gibt es genügend motivierte und engagierte Umweltpolitiker, die jetzt als Macher gefragt sind. Ob meine Zweifel hier berechtigt sind? Solange mit Klimawandel und Umweltschutz kein Geld verdient werden kann, wohl eher ja.

Hinter all den Klima- und Umweltzielen stehen Menschen, stehen fast alle Parteien, stehen Politiker, die wieder gewählt werden wollen. Sind ihre Worte und Versprechen wirklich glaubwürdig? Die Jugend auf den Strassen überzeugt eigentlich am meisten, weil sie mit ihren Transparenten für ihre persönliche lebbare Zukunft kämpft. Wollen wir Eltern und Grosseltern unsere Kinder und Enkelkinder auf dem Weg in diese umweltfreundliche und klimabewusste Zukunft alleine lassen. Sicher nicht.

Klingt gut, aber ich habe meine Zweifel, dass wir vom paradiesischen Zustand der  Schweiz und den glücklichen Kühen geblendet sind und uns schwer tun, Gretas aufgezeigt Notwendigkeiten innerlich zu akzeptieren. Im Wort innerlich liegt der Schlüssel zum Umdenken. Schauen wir uns doch an, gehen wir doch mal in einer stillen Stunde hinein in unser Innenleben. Ist da alles in Ordnung, herrscht da nur Frieden?

Ist unser Körper übergewichtig, haben wir zu viel Fett auf den Rippen, haben wir zu viel Promille im Blut - ist das grösste Wunder der Natur noch im Lot und Gleichgewicht oder ist das Eintreffen von Gesundheits-Katastrophen nur eine Frage der Zeit?

Und wie viel Groll und Neid mit Nachbarn oder Machtstreben mit sogenannten Parteifreunden belastet unsere Gedanken und lässt uns in dem gedanklichen Umweltdreck nicht gut schlafen? Nur wenn wir unser inneres Klima durchleuchten und die Körper, Seele und Geist belastenden Umwelt-Teufelchen wahrnehmen,  können wir uns für ein besseres inneres Klima und Wohlbefinden einsetzen. Weniger Essen, weniger Alki, weniger Machtstreben, weniger nicht haltbare Versprechungen wären Lösungsansätze. Wer sich selbst mit Liebe begegnet, tut etwas für sein inneres Klima. Wer dann mit  dieser Liebe im Alltag an die Zukunft glaubt, kann auch überzeugt für eine bessere Umwelt und einen notwendigen Klimawandel eintreten. Diese Chancen haben wir alle - also haben wir auch die Lösungen.

 


1. Landbote Winterthur

2. Entwurf JZ AZ

3. Jungfrauzeitung: meine 1.August Rede

4. Div.

    - Glückssuche im Dschungel der Spiritualität kann auch verwirren

 

 

Landbote Winterthur - Leserbriefe

 

Leserbrief Landbote                                      17-5-2019

5G und Antennenbau Wiesendangen (div. LB-Berichte)

 

Ich will in meinem Paradies alt werden -

ohne 5G Auswirkungen

Viele reden über 5G, ich auch, und es werden täglich mehr. Diese immer lauter werdenden Diskussionen drücken aber keine Freude über die in Gang gesetzten Installationen der neuen Sendestationen aus - nein: es sind die Sorgen und Ängste, die den Grossteil der Bevölkerung umtreibt. Ich habe nie gelesen, dass das neue schnelle Netzt einem Kundenbedürfnis der heutigen Anwender entspricht. Ich las nie von Wünschen derjenigen, die sich heute schon an mehreren Stunden pro Tag im Netz tummeln. Bekannt wird aber immer deutlicher, dass eine internationale Netzlobby Geld und Gewinn vor Augen hat und alle Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und Konsequenzen in der Natur bei Tier und Pflanze locker ignoriert werden. Die Argumente: Wir analysieren und studieren die Auswirkungen ja noch,  sind unglaubwürdig, wenn gleichzeitig bereits neue 5G-Antennen bewilligt und gebaut werden. Wie immer die angedachten Prüfungen auch aussehen werden, und wie und wer diese Ergebnisse dann unter welchen Vorgaben und Restriktionen der Behörden und der sehr einflussreichen Netzlobby dann veröffentlicht, sollte wissen, dass der Glaube in eine wirkliche Fairness längst verloren gegangen ist und Proteste und Rekurse auf sie warten werden. Richtig und fair wäre, wenn bis zur Vorlage der wirklich nachgewiesenen Ungefährlichkeit aus Bern ein Baustopp für alle neuen 5G-Installationen erlassen würde und sich jede in der Verantwortung stehende Gemeinde daran hält. Dann hätte auch die engagierte Bevölkerung von Wiesendangen eine Chance den bewilligten Standort in Gundetswil zu verhindern.

Irgend wann ist unser Leben vorbei, unsere letzte Fahrkarte ist kein Rückfahrticket und wann diese Fahrt gestartet wird haben nicht wir in Händen. Wir haben es aber in der Hand wie wir unser Leben gestalten und wie fit und gesund wir in den letzten Zug einsteigen wollen. Klar ist heute bekannt, wie ungesund Zucker und das Rauchen ist, aber wir entscheiden selbst ob und wie viel wir von dem Gift einnehmen wollen. Bei den 5G-Strahlen haben wir das nicht mehr in der Hand, wir werden einfach damit konfrontiert, wir werden manipuliert und haben kaum eine Chance vor den Strahlen zu fliehen. Ich will auch nicht fliehen, ich will nicht auf eine kleine Insel in der Südsee oder nach Indonesien - nein ich will in meinem Paradies Schweiz alt werden und von hier den letzten Zug besteigen. Aber das Paradies muss sich wehren, auch gegen die Geld- und Gewinn-Maffia rund um 5G.

klaus Ruthenbeck Rickenbach.

 

 

Leserbrief Landbote:

Thema:  Parkplätze am Bruderhaus-Tierpark (div. Berichte im LB)

Ja, wenn die Bruderhaus-Tiere Geige spielen könnten...

wäre es für die Kulturstadt Winterthur mit Sicherheit kein Problem soviel Parkplätze, wie es für die erhofften Konzert-Besucher braucht, zu planen und zu bauen. Aber am Bruderhaus spielen eben nur Kinder auf einem Kinderspielplatz und freuen sich mit ihren naturverbundenen Eltern über die grasende und friedlichen Vielfalt an Tieren, die auch zum Bruderhausareal gehören. Ist diese Diskussion über Zufahrtsregelungen  und Parkplätze  rund um die Attraktion Bruderhaus ein peinliches Versehen der zuständigen Behörde oder einfach nur typisch für Winterthur. Für Kultur geht alles - für Natur und Kinder geht nichts oder wird verkompliziert. Wir haben das Bruderhaus und den Tierpark und somit haben wir ein wunderbares Naherholungsgebiet. Und das will genutzt werden und zwar nicht mit Schikanen sondern mit Freude. Bei ehrlicher Betrachtung hat es genügend umzustrukturierende Flächen und Möglichkeiten für ausreichend Parkplätze und mit einer Einbahnbefahrung würde es auch keine Verkehrsprobleme geben. Aber man muss das wollen und sollte aufhören zu warten bis die Rehe Geige spielen können und das Bruderhausareal in die Winterthurer Kunstszene integriert werden kann. Ja, dann wären alle diese Schein(ss)-Probleme sofort gelöst.

 

ruthenbeck.k@bluewin.ch  27.2.19

 

 

Landbote Leserbrief

Brütten hat neben ihrer Bergsicht sicher viel zu bieten  -  jetzt

auch die brillianten Gedanken und Worte von  Leonhard Jost

 

Nicht zum ersten Mal hat mich die Aussicht von der Kirche in Brütten auf die Schweizer Bergwelt fasziniert und begeistert. Bei klarem Wetter, und das war am letzten Sonntag der Fall, wirkte diese Kulisse wie in einem wunderschönen Heimatfilm und mir wurde wieder mal klar, im Paradies Schweiz leben zu dürfen. Ich empfand diesen einmaligen Blick als Geschenk und Abschluss eines wieder erwähnenswerten Sonntag-Morgen-Gottesdienstes mit Pfarrer Leonhard Jost. Die  reformierte Kirche diskutiert und plant die Zusammenlegung von Kirchengemeinden und sucht hiermit auch nach Lösungen, wieder mehr Besucher in die Kirchen zu bringen. Ich meine, dies ist ein Weg, aber aus meiner Sicht der falsche. Im Mittelalter und früher war die Kirche als Gebäude das echte Dorfzentrum, in dem Marktstände Waren aller Art und Pfarrer Gottes Wort, wie sie es verstanden, anboten. Inzwischen ist die Kirche eine gewachsene Organisation mit kopforientierten Machtstrukturen geworden, die nach all den Jahren sich immer noch für ihre alten Rituale und Dogmen einsetzt. Sie erkennt nicht oder zu wenig, dass ihre Kirche in der tiefen Vergangenheit denkt und lebt und dass das heutige Leben mit den täglich mehr werdenden Kommunikationsmöglichkeiten auf einer anderen Ebene tickt und blinkt. Immer schneller und hektischer werdende Aktivitäten lassen den Menschen kaum noch Zeit zum Durchatmen. Wie will man dieser Generation die geistigen Bausteine vermitteln, die ihnen mehr Lebensfreude und Zufriedenheit bringen könnten? Sicher nicht durch das Zusammenlegen von Kirchenorganisationen. Die Lösung kann nur in einem neuen zeitgerechten Gedankennetzt, das zwar alle auch heute noch gültigen göttlichen Grundbotschaften enthält, gesucht werden. Aber diese neuen Ueberzeugungen müssen dann noch klar, verständlich, motivierend und autentisch rüber gebracht werden. Und hier darf Brütten dankbar und stolz sein, dass sie mit Leonhard Jost einen Mann in der Gemeinde hat, der genau diese Fähigkeiten besitzt um seine wertvollen Botschaften mit Freude und Engagement zu vermitteln. Es stellt auf und tut immer wieder gut, seinen gezielten und überzeugenden Worten über die drei grossen G (Glauben, Gott, Geist) zuzuhören. Er und seine Texte sind es wert einen Besuch in Brütten zu machen - so wie der Blick auf das Alpenparadies.

ruthenbeck.k@bluewin.ch

8.3.19

 

 

 

Erster Entwurf für Tagespresse  JZ . AZ

 

Ich habe mich über die Anfrage des Dorfvereins Sulz Rickenbach: am 1. August 2016 die Festansprache zu halten, sehr gefreut. Nachstehend der Originaltext:

 

Bundesfeierkomitee Damenriege und Dorfverein Sulz und Rickenbach - 1. August 2016

Ansprache: Klaus Ruthenbeck, Autor und Kolumnist, Rickenbach-Sulz

 
Hallo, gruezi Mitenand

guten Abend liebe Festgemeinde, liebe Rickenbacherinnen und Rickenbacher, liebe Gäste - herzlich willkommen heute am 1. August zur diesjährigen Bundesfeier hier oben oberhalb von Rickenbach auf dem Chrameschberg, unserem Ersten-August-Fest-Platz.

1291 ist als Gründungsjahr der Eidgenossenschaft dokumentiert, aber was die meisten, speziell diejenigen, die noch im Berufsleben stehen besser in Erinnerung haben, ist das Jahr 1994, denn seit diesem Jahr ist der 1. August in der gesamten Schweiz ein nationaler und arbeitsfreier Feiertag.

An diesem Tag werden tausende Würste gegrillt und mit Genuss gegessen, werden viele Flaschen Wein und Bier ausgeschenkt, die Flaschenanzahl aber zum Glück nicht gezählt, es werden Höhenfeuer liebevoll aufgebaut und mit Einbruch der Dunkelheit angezündet - ja - und es werden hunderte von Reden gehalten, in allen Landessprachen, in deutsch, französisch, italienisch, rätoromanisch und heute Abend auch in Schriftdeutsch.

 

Es ist ganz sicher jedem hier in der Runde sofort aufgefallen, dass meine Sprachheimat nicht im Raum Zürich, Basel und auch nicht in Bern liegt - richtig ist, dass ich im nördlichen Nachbarkanton, etwas oberhalb des Weisswurstäquators im Sauerland geboren und aufgewachsen bin. Aber meine ersten Kontakte mit und in der Schweiz hatte ich schon mit 15 Jahren. Mit einem Schulfreund haben wir eine grössere Velotour Richtung Süden gemacht und diese ging auch durch Teile der Schweiz. Wir kamen aus Italien über Lugano in die immer schöner werdende Schweiz -  und dann in Biasca mussten wir uns entscheiden, nehmen wir den Weg über die Tremola, also über die alte Gotthardstrasse oder über den Lukmanier-Pass, der damals teilweise noch eine Naturstrasse war. Uns war sofort klar, wir nehmen die Lukmanier-Route weil das einige Kilometer weniger zum Schieben waren. Trotzdem mussten gut 30 Kilometer bis zur Passhöhe überwunden werden. Und als wir dann völlig kaputt oben ankamen und endlich wieder in den Sattel konnten, waren wir fast zu Müde um in Dissentis zu bremsen um in der dortigen Jugendherberge mehr als müde ins Bett zu fallen. Meine letzten Gedanken vor dem Einschlafen waren damals: Wenn ich dann mal gross bin und eventuell ein Auto habe, dann möchte die ganze Velostrecke durch die schöne Schweiz noch einmal, allerdings ohne Schweisstropfen auf der Stirne, abfahren.

 

Schon damals nahm ich auf dieser Velotour durch die Schweiz Dinge war, die mich beeindruckten und die für mein späteres Leben wegweisend waren. Ich erlebte die Schweiz, ja, ich erlebte sie wirklich wie ein Paradies  -   aber vielleicht versteht ja jeder etwas anderes unter einem oder seinem Paradies. Mir war und ist heute noch wichtig: im Paradies muss es schön sein, im Paradies muss es sauber sein, In meinem Paradies muss ich die Natur mit ihren Wiesen, Äckern, Wäldern, Getreideflächen, Obstplantagen, Gemüsebeeten und Blumenvielfalt fühlen, schmecken und riechen können, und es muss auch die Heimat für viele grosse und kleine Tiere sein. In meinem Paradies gibt es grosse und kleine aber saubere Seen und hohe und auch sehr hohe Berge. In meinem Paradies muss es friedlich sein, da müssen nette und freundliche Paradieser wohnen, in meinem Paradies, ja, da muss man sich sofort wohlfühlen.

Auf meiner damaligen Velotour habe ich alle diese Eigenschaften erleben dürfen. Die Schweiz war und ist auf jedem Kilometer traumhaft schön, einfach wunderbar - und auch sauber, eben gepflegt - und wir leisten uns das - zum Glück.

Ich erlebte auch mehr als nette und freundliche Menschen in diesem Paradies, eben richtige Schweizer. Zum Beispiel kurz vor Biasca, es war um die Mittagszeit, es war sehr heiss und wir brauchten eine kurze Pause - und Hunger hatten wir auch. Wir hielten in einer Nebenstrasse vor einem grösseren Vierfamilienhaus. Zufall oder Fügung, im ersten Stock schaute eine Frau aus dem Fenster, die zum Glück deutsch sprach und hübsch war sie auch. Als wir hielten und abstiegen, fragte sie ob wir nicht wüssten wo es weiter geht. Freundlich und etwas verlegen lachend, fast schon stotternd rief ich zurück:  Nein, das ist nicht unser Problem, wir sind etwas müde und haben einfach nur Hunger aber fast keine Franken mehr. Kein Problem rief auch sie lachend zurück und da gerade Mittagszeit war, brachte sie nach wenigen Minuten zwei Teller mit Reis, Gemüse und zwei aufgeschnittene Wurststückchen in den Hof. Natürlich war auch ein Becher Süssmost auf dem Tablett. Wir setzten uns auf eine Treppenstufe vor dem Eingang, genossen ein köstliches Essen und hatten das Gefühl im einem 5-Sternehotel verwöhnt zu werden. Diese Freundlichkeit, Spontanität und Hilfsbereitschaft empfand ich als ganz toll und einmalig. Ich wollte unsere nette Schweizer Gastgeberin als Dank vor Freude küssen und umarmen, aber das wäre dann für einen Fünfzehnjährigen wohl doch noch nicht das Richtige gewesen.

Aufgefallen sind mir auch die Schlagzeilen in den Tageszeitungen. Sie waren nicht mit so grossen Buchstaben und nicht mit so reisserischen Titeln aufgemacht. Alles wirkte friedlicher, neutraler und sachlicher, als ich es aus dem Norden Deutschlands her kannte. Und wenn ein Paradies ein Gefühl des Wohlseins ausstrahlen soll, dann habe ich das damals schon  genau so und von Anfang an so empfunden. Eigentlich war auch schnell für mich klar, bewusst oder unbewusst: Ich möchte irgendwann auch ins Paradies und in dieser schönen Schweiz wohnen und leben.

Als ich dann kurz nach Abschluss meiner Erstausbildung in Bochum vom Staat den Einrückungsbefehl zum Militär, zur Rekrutenschule bekam, habe ich gewusst: Klaus jetzt musst du neue Weichen stellen. Die damals gültige Rekrutenzeit von 15 Monaten habe ich als Freiheitsberaubung angesehen und weil Krieg spielen schon damals nicht mein Ding war, wollte ich nicht zum Militär, im Gegenteil, ich wollte doch ins Paradies.

Mit einem administrativ bedingten Umweg über England bin ich dann beim Rieter in Winterthur gelandet. Als ich zum ersten Vorstellungsgespräch am Winterthurer Bahnhof ankam und vor der damaligen Epa stand und keine Berge sah, war ich schon etwas enttäuscht und fragte einen neben mir, auch auf den Bus wartenden, Passanten: Ich bin doch jetzt in der Schweiz, aber wo sind denn hier die Berge, die ich in so guter Erinnerung hatte? Der schon etwas ältere Herr schaute mich an, lächelte und sagte ganz locker: da hinter der Archkäsestube sind in wenigen Kilometern die Berge, aber von hier leider nicht zu sehen. Ich hatte keine Zeit zum enttäuscht sein, denn der Bus nach Töss war kurz vor der Abfahrt. Und wenige Tage später hatte ich eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung und trat meinen ersten Job in der Schweiz an. Zugegeben, die ersten Tage, ja Wochen waren nicht leicht, denn ich fand in keiner Buchhandlung einen Diktionär, der mir geholfen hätte das Zürichdeutsch zu übersetzen. Aber es wurde besser und besser und schon bald sprach ich mein ganz persönliches Assimilationsdialekt und streute immer öfter Worte ein, wie: mol mol, en guete mitenand oder gut is es gsi .. Verstanden hat man mich - aber auch immer etwas geschmunzelt.

Ja mein Schweizer Assimilations-Deutsch hätte mir fast einmal Probleme bereitet und zwar bei unserer Einbürgerung hier in Rickenbach. Es war zu der Zeit als Emil mit dem Film Schweizermacher grosse Erfolge feierte. Wir sassen vor der Einbürgerungskommission, beantworteten brav die obligatorischen Fragen und zum Schluss machte mich der Präsident höflich aber unmissverständlich darauf aufmerksam, dass mein Schweizer Deutsch sehr schlecht ist und eigentlich nicht für die Einbürgerung ausreicht - aber, fuhr er fort, weil deine Frau ja schon fast perfekt Schweizer Deutsch spricht kannst du daheim mit ihr noch etwas üben und darum bürgern wir dich halt doch als zahlender Ehemann auch ein. Er zwinkerte mir zu und wir lachten dann alle - aber viel gesagt habe ich dann später beim Glas Rotwein im Wiesental nicht mehr.

Verständlich, dass es mich natürlich freut, heute hier mit ihnen den 1. August feiern zu dürfen. Ja, so habe ich mir im 1983 mit einem roten Pass den Eintritt ins Paradies gekauft, aber das Geld war es bis heute mehr als wert.

Aber zum Glück gibt es in diesem Paradies auch noch sehr viel ohne Eintrittsgeld zu sehen und zu bestaunen. Auf einem Höhenweg oberhalb des Beatenberges im Berner Oberland machten wir auf einer Bank eine kleine Pause. Vor uns der Thunersee und darüber im Hintergrund das Dreigestirn Eiger Mönch und Jungfrau, teilweise bis an die Waldgrenzen noch mit Schnee bedeckt. Wunderbar, es gibt nichts Schöneres, zu mindestens empfand ich das in dem Augenblick für mich so. Plötzlich hörte ich neben mir eine sonore hochdeutsche männliche Stimme sagen: Der Blick einmalig und dann noch gratis, wo hat man das noch? Ich drehte mich um und sagte: Hier im Paradies, in unserer Schweiz. Diese Begegnung im Berner Oberland mit der Bemerkung: so schön, einfach nur herrlich und alles ohne Eintritt, hat mich schon berührt und darum habe ich diese Geschichte in eine meiner Kolumnen eingebaut.

Ebenso wie eine Kurzgeschichte über diese Bank da vorne, von der man eine wunderschöne Aussicht auf die Reben und unser Dorf Rickenbach hat. Aber das Herzstück dieser Geschichte ist die Schweizer Fahne neben der Bank. Die ist nämlich nicht nur heute aufgezogen, sondern sie weht an jedem Tag hier oben und erinnert alle vorbei Kommenden daran, dass sie sich auf einem Weg durch die paradiesische Schweiz befinden, zu der auch unser Rickenbach gehört.

In vielen Reden wird heute am 1. August über vieles geredet. Sicher ist vieles richtig und wichtig - vieles wird aber auch zerredet und einige wollen über alles auch nur mitreden. Mir war heute wichtig, über etwas Schönes, über etwas Friedliches über etwas Schützenswertes, über etwas mit Wohlfühleffekt zu sprechen - eben über unser Paradies - über unsere Schweiz.

Danke, dass ich hier leben - und die Paradiesluft riechen, sehen, hören, fühlen, schmecken und atmen darf. Ein gutes Gefühl. Geniessen sie mit mir diesen Augenblick heute und hier im Rickenbacher Paradies - aber warum nur heute, geniessen sie es auch morgen und übermorgen

Danke, merci und tschüss

 

 

 

 

NEU ab Februar 2015 auch in: GENERATION SUPERIOR
- Nicht jeder wird Grossvater. Ich wurde es. Danke

- Inzwischen erschien in jedem Folgeheft ein Artikel von mir. Unter Generation Superior nachlesbar.


A. Folgende Zeitungsartikel wurden veröffentlicht:

  

im Andelfinger 2015