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Im Zehntagerhythmus erscheinen meine Kolumnen für die Jungfrauzeitung Interlaken. Hier zwei aktuelle Geschichten über unser Paradies Schweiz:

 

 

Motzen im Paradies, geht das?

Für viele, sicher für eine Mehrheit, der in der Schweiz lebenden Menschen, ist es klar und eine innere Überzeugung, dass sie in einem Paradies leben, eben in unserer Schweiz. Unser Alltag wird durch sehr viel Schönes, Erfreuliches und auch Einmaligem geprägt. Wir leben in einer der landschaftlich schönsten Gegenden der Welt, Schneebedeckte Berge, kristallklare Seen, Wälder und Wiesen sorgen für eine gesunde Luft. Aus allen Hähnen in Haus und Wohnung kommt sauberes Wasser, Mit Dreh- oder Kippschalter machen wir Licht oder setzen Kochherd resp. Staubsauger in Gang. Alles funktioniert. Das Strassen- und Schienennetz ist eins der dichtesten und gepflegtesten. Züge fahren pünktlich und werden immer wieder vom Müll der Gratiszeitungen gereinigt. Unsere Schokolade und Uhren geniessen weltweit einen guten Ruf und viele Länder beneiden uns um unsere direkte Demokratie. Natürlich ist auch mir klar, dass es da und dort immer wieder Verbesserungen oder Neues braucht um nicht den hohen Paradies-Standard zu verlieren. Auch im Paradies ist neben Sicherheit und Frieden auch Fortschritt gefragt. Nur wenn ich, speziell in Zeiten vor Wahlen einige Inserat-Texte und Worte lese und höre, die alles kaputt reden um es dann persönlich nach ihrer Wahl viel besser zu machen, wird es mir fast schlecht. Einige müssen sich nicht klar darüber sein, dass vieles dieser Negativzeilen bei Einigen im Unterbewusstsein hängen bleibt und Einfluss auf die Lebensfreude und das eigene Wohlbefinden nimmt. Etwas aus persönlichen oder parteipolitischen Gründen kaputt zu reden, passt nicht in unser Paradies. Aber auch im Alltag, auf der Strasse, am Stammtisch oder im Beruf am Arbeitsplatz wird schneller kritisiert als positiv und aufbauend argumentiert. Bei einem Test auf der Strasse wurde die Frage gestellt: welche drei Themen fallen ihnen spontan zu ihrem Alltag ein? Mehrheitlich wurden negative Stichworte genannt, wie: Verspätungen bei Zügen und Bussen, blöde Chefs, Mehr Regen als Sonne usw. Kaum einer war sich bewusst, dass er im Paradies lebt und es auch hier kleine Störungen geben kann. Zu spüren war, dass es leichter ist rumzumotzen als freudig und begeisternd zu loben. Danke sagen, sollte man als kleines Kind schon lernen - aber mit jedem Altersjahr fällt es vielen schwerer dieses wunderbare Wort auszusprechen. Danke, dass ich im Paradies leben darf.

 

 

Reparaturarbeiten am Paradies müssen auch sein

Wer ans Paradies denkt, stellt sich etwas Friedliches und Ruhiges vor und wer an unser Paradies Schweiz denkt, sieht klare Seen, hohe Berge, Wälder und Wiesen, ein bestens ausgebautes Bahn- und Autobahnnetz. Vielleicht erinnern sie sich, als ich in einer meiner vorgängigen Kolumnen schrieb: Meckern im Paradies, das geht nicht. Und jetzt kam ich fast selbst in die Versuchung völlig gereizt auszurufen: Wo bin ich denn hier, auf allen Strassen machen Schilder auf vorhandene Baustellen aufmerksam und die meisten sind zusätzlich noch mit Ampeln ausgerüstet. Stop und warten bis die orangene Lampe beginnt zu blinken. Aber kaum kam der wütig machende Gedanke auf, wurde er von der Überzeugung, wir sind  ja hier im Paradies, zurückgedrängt und es wurde auf einmal klar, dass auch im Paradies Reparaturarbeiten sein müssen. Natürlich fällt die Baustellenvielfalt im Frühjahr, wenn alles wieder grün wird und der letzte Schnee schmilzt, mehr auf, vielleicht auch, weil man wieder öfter gezielt Ausflüge in die sich zurück meldende Natur unternimmt. Ich habe dann mal bewusst an einigen Baustellen angehalten und einen vorbei kommenden Arbeiter gefragt: Was ist der Grund für diese Baustelle? Mehrheitlich waren in die Jahre gekommene Rohrleitungen im Boden, die ersetzt werden müssen. Neue Beläge, die Frostlöcher überdecken sollen und auch Verbreiterungen und Sicherheitsaspekte, wie neuer Fussgängerstreifen oder neue Bordsteinkanten sind mehrheitlich als Gründe für die zur Zeit sehr vielen Baustellen genannt worden. Klar werden auch neue Strassenstücke gebaut und was auch oft zu sehen ist, sind die neuen Verkehrsinseln mit lokalen Kunstobjektent. Ich bin ja eigentlich froh um jede Insel, denn das bedeutet gleichzeitig: Es wird keine Ampelanlage installiert, von denen es schon heute in unserem Paradies genug hat. Im Grunde bin ich auch dankbar, dass unserem Paradies so engagiert Sorge getragen wird und dass wir uns die Erhaltung eines sehr hohen Qualitätsstandards auch leisten können. Aber können wir das wirklich? Ich glaube schon, denn im Paradies wohnen zu dürfen, kostet schon etwas. Auch unser Paradies hat seinen Preis.

 

 

...und ganz hinten sind auch noch einige Schmunzler zum Lesen.

Ab Januar bis Ende 2017 schrieb ich gut 50 neue Geschichten unter: Was wäre wenn? ... und davor waren es die Bank-Geschichten

 

was wäre wenn

... die Dorfmusik keine Musiker mehr findet

Zu einem richtigen Dorf oder Quartier gehört eine Dorfmusik genau so wie ein Turnverein und ein Chor, egal ob gemischt, ob für Frauen oder nur für Männer. Alle Vereine scheinen aber heute mit Nachwuchssorgen belastet zu sein. Immer weniger junge Menschen wollen sich fest an einen Verein binden. Man will frei sein und je nach Stimmung an den unterschiedlichsten Freizeitangeboten teilnehmen. Persönliche Freiheit und Flexibilität liegt immer mehr im Trend. Wenn der Turnverein irgendwann nur noch Senioren und Ehrenmitglieder hat, dann finden die wöchentlichen Turnstunden nicht mehr in der Turnhalle statt sondern am Stammtisch in der Dorfbeitz und anstatt Hanteln werden dann Bier- und Weingläser gestemmt. Bei den Chören kann ich das schwindende Interesse erst recht nicht verstehen. überall liest man, dass Singen eine sehr positive Ausstrahlung auf das Wohlbefinden hat und viele können sich auch bei den regelmässigen Proben den Alltagsfrust von der Seele singen. Bei der Dorfmusik ist jedoch vieles anders. Sie spielen die verschiedensten Instrumente sicher auch für sich und aus ihrem Talent heraus und mit Freude. Aber dann werden sie für die verschiedensten Anlässe engagiert oder aufgeboten. An der 1.-Augustfeier gibt die Musik den Ton an, wenn der Turnverein am Kantonalen einen oder mehrere Kränze gewonnen hat, steht die Musik am Bahnhof bereit und begleitet die Turnerschar in den vorbereiteten Festsaal. Auch lokale Politiker, die in Amt und Würde gewählt werden, dürfen nach ihrer Wahl mit einem Ständchen der Dorfmusik rechnen. Es ist doch wirklich schön, dass man diese Dorfmusik noch hat und die kleine Welt darum noch in Ordnung ist. Wenn jetzt auch hier die Bläser ausgehen und sich kein Minimalformation mehr bilden lässt, ja dann wars auch das mit den musikalischen Festhöhepunkten. Soll und kann man das akzeptieren oder wird auch hier schon nach Lösungen gesucht. Vielleicht marschiert in Zukunft neben dem Fahnenträger ein Radioträger mit, der alle einschlägigen Begleitmärsche und Anerkennungsmelodien auf Kassetten verfügbar hat und bei Bedarf abspielen kann. Der neue Gleichklang: Fahnenträger neben Radioträgern marschieren gemeinsam mit den Turnfestsiegern und neu gewählten Würdenträgern durchs Dorf. Ein schon gewöhnungsbedürftiger Gedanke und ein fast nicht vorstellbares Bild. Es könnte aber auch sein, dass an Stelle des Radioträgers ein Drehorgelwagen durchs Dorf gezogen wird. Ein Gerät, ein kleiner Wagen, eine ziehende und drehende Begleitperson. Ob dieses Drehorgelarchiv auch alle Hymnen und Märsche gespeichert hat ist nicht sicher, aber vielleicht kommt man ja in Zukunft mit weniger Alternativen aus. Schade wäre es schon, wenn es keinen  Musikernachwuchs mehr gibt und die die schnittigen Uniformen in den Brockenhäuser billigst für den nächsten Faschingsball zu haben sind. Das sind schon keine aufstellenden Gedanken, sie stimmen eher traurig und verlangen die Suche nach neuer Motivation für den Fortbestand der Dorfmusiken. Vielleicht haben sie ja die rettende Idee - melden sie sich doch einfach, jede Anregung wird so dringend gebraucht wie jedes Instrument

 

 

Mit einer Flasche anstossen war ungewohnt und eigen

Gerade jetzt im Herbst wird in immer mehr Städten und sogar schon in Dörfern die Bayrische Oktoberfest-Atmosphäre kopiert. Zelte werden aufgebaut, oder freie Hallen mit Festbänken ausgerüstet. Und diese Bänke müssen neu oder aber sehr stabil sein, denn zu diesen Festen gehört eben auch, dass man nach einigen kräftigen Zügen aus den grossen Bierkrügen darauf tanzt und singt. Na ja, tanzen ist vielleicht nicht der richtige Begriff für das Hopsen, Springen und Schunkeln auf den Festbänken. Es ist eher eine unkontrollierte rumhampelnde Vorstufe zum Festrausch. Aber von aussen betrachtet sieht alles wirklich sehr fröhlich und ausgelassen aus. Losgelassen auf einem anderen Stern, den die Brauereien jedes Jahr im Herbst neu oder immer wieder hervorholen. Und getrunken wird mehrheitlich Bier. Bier in Literkrügen, die mit einer eher zu grossen Schaumkrone von hübschen, jungen und älteren aber kräftigen Damen serviert werden. Die meisten tragen inzwischen auch die bunten und offenherzigen Dirndlkleider mit Schleife links oder rechts, je nach persönlichem Partnerstatus. Da ich ein gutes Glas Wein schon noch lieber habe als den Gerstensaft, zieht es mich auch nicht an diese Feste. Im Gegensatz zu einem befreundeten Ehepaar. Er der Fest- und Bier-Freund und sie die Weingeniesserin, die aber trotzdem mitgeht. Ok, das sogenannte Oktoberfest fand in einem sehr kleinen Dorf statt und den lokalen Fest-Einheimischen wurde Bier sogar oder auch in Flaschen serviert. Trotzdem muss auch hier eine lockere Stimmung aufgekommen sein. Es wurde geschunkelt und bekannte wie wildfremde Menschen prosteten sich fröhlich zu. Plötzlich stand auch ein nicht mehr ganz so junger Mann lachend und strahlend mit seiner Bierflasche in der Hand vor unserer Bekannten und wollte mit ihr anstossen. Warum nicht dachte sie und hob ihr Weinglas und bemerkte dann spontan und lachend: zum wohl, mit einer Flasche habe ich noch nie angestossen. Ein kurzes Zucken und Schlucken auf der Bierflaschenseite, das dann spontan in ein gemeinsames herzhaftes Gelächter überging. Der Bierflasche war es egal ob sie mit einem Weinglas anstösst und dem Bierflaschentrinker schlussendlich auch. Unsere Bekannte meinte dann noch: Irgendwie war es mir schon peinlich und erst als ich hörte, was ich sagte, war mir die Doppelbödigkeit der Aussage bewusst. Wir haben dann noch zusammen einen netten Abend verbracht und ich stellte beruhigt fest, dass der Flaschenbier trinkende Festbesucher keine Flasche ist. Es hätte aber auch anders sein können und mit etwas mehr Bier im Kopf wäre der Auslöser für einen kleinen Feststreit da gewesen. Egal mit Was: auf ihr Wohl.

 

 

Die Schönheit der Bergwelt bleibt auf der Strecke,

zum Glück nicht bei allen

 e letzten Tage waren eher regnerisch, schon ungewohnt kalt und wo es nicht regnete da fand der Alltag im Nebel statt. Und dann machte die Wetterfee am Freitag eine völlig überraschende Prognose für den Samstag. Irgend eine Strömung vermischt mit einem Hoch soll für den Samstag Sonnenschein bringen, einen Himmel ohne Wolken und angenehme Herbsttemperaturen. Na, wenn das keine Aufforderung war, den nächsten Tag neu zu entdecken und alle Aufräum- und Einkaufsaktivitäten zu verschieben und stattdessen einem Ausflug in die Berge zu planen. Klar, so dachten nicht nur wir. Das merkten wir spätestens dann, als wir einen Parkplatz nahe bei der Firstbahn suchten. Alles besetzt, wie in der Hochsaison im Winter. Aber schlussendlich wollten wir ja auch etwas laufen und darum störte uns der etwas längere Weg vom Parkplatz zur Bahn nicht so sehr. Schlussendlich sassen wir alleine in einer Sechserkabine und gondelten gemütlich in die Höhe. Schon wenige Meter nachdem wir die Talstation verliessen, muss jemand einen Vorhang geöffnet haben, denn vor uns erschien ein von der Sonne angestrahltes Bühnenbild in dem die herbstlich gefärbten Bäume in gelb, rostrot, hellbraun und manche auch noch in dunkelgrün unsere Augen verwöhnten. Ein Naturschauspiel, wie es nur im Herbst an einem sonnigen Tag erlebt werden kann. Wir konnten uns nicht satt sehen. Auf der gegenüberliegenden Seite die majestätische Bergwelt des Berner Oberlandes, teilweise noch oder schon wieder mit etwas Schnee bedeckt. Auch diese Seite wirkte wie ein Szenenbild in einem Naturtheater. Schon beim Einstieg in der Talstation fiel uns auf, dass vor und hinter uns einige Spezialgondeln, vollgepackt mit Rollervelos oder Funroller diese Geräte wieder an die Mittelstationen transportierten. Und es waren nicht nur eins oder zwei, es waren für uns überraschend sehr viele. Diese Fun-Roller-Velos, oder wie die Geräte in der Berg-Fach-Sprache richtig heissen, waren nicht die einzige Überraschung an diesem Sonnensamstag. Neu, aber sicher noch nicht zu meiner Skifahrzeit, gibt es jetzt auch noch kleine Berg-Go-Cart-Fahrzeuge. Und die sehen wirklich wie kleine Rennwagen aus und schwer sind sie auch noch, denn die können nicht mehr von Hand auf die Gondeln auf und abgeladen werden. Spezielle Roboter, völlig personalfrei heben die Fahrzeuge auf die mit spezieller Haltevorrichtung ausgerüsteten Kabinen. Die gleichen Roboter packen die Wagen, hebeln sie aus und stellen sie auf eine spezielle Rollbahn, die die Geräte zurück zum Startplatz Richtung Tal befördert. Von unserer Kabine aus konnten wir diese Abläufe staunend und interessiert beobachten und realisierten natürlich auch, dass alle, die diese unterschiedlichen Talbeförderungsgeräte benutzen wollten, mit einem Helm ausgerüstet wurden. Sicherheit muss sein und ich realisierte: ein neues Big-Business hat sich hier in den Bergen aufgetan. Auf der letzten Fahrstrecke ab Schreckfeld zum Gipfel hörten wir mehrmals ein Freudegeschrei junger Menschen, die mit enormer Geschwindigkeit, wie in einem Jet ohne Dach in die Tiefe stürzten. Klar waren diese Fahrten mit verschiedenen Seilen und Auffangfedern gut gesichert, aber es roch nach Nervenkitzel in den Bergen. Friedlicher, ruhiger und irgendwie auch schon wieder natürlicher nahmen wir die fliegenden bunten Matratzen war. Es war richtig was los in den Bergen. Als wir dann nach einer kleinen Wanderung einen wunderschönen noch freien Platz in der Sonne vor dem Firstrestaurant bekamen, dachten wir schon: jetzt sind wir im Paradies oder zu mindestens kurz davor. Keine Wolke und freie Sicht auf eine Bergwelt, wie sie schöner nicht sein kann. Wir haben tief geatmet und jeden Augenblick tief eingezogen und auf unserer Lebensdisc gespeichert. Um uns herum wurden die Handys zu Höchstleistungen gezwungen, nur damit man morgen anhand des Datums auf den Bildern noch weiss wo man gestern war. Interessieren würde mich ob die Roller-, Velo- oder Cart-Talfahrer die Schönheit der Berge auch wahrgenommen haben oder ob die Schönheit und Eindrücklichkeit dieser Kulisse auf der Strecke geblieben ist.

 

 

Die Grösse der Verpackung lässt nicht immer auf die Menge schliessen,

ausser bei Medikamenten

Diese These wird mir eigentlich bei jedem Einkauf im Supermarkt bestätigt. In einer grossen, bunten und attraktiv aufgemachten Schachtel verbirgt sich oft ein kleines Plastik-Säckchen mit dem eigentlichen Produkt. Die Marketingprofis wissen sehr genau, dass wir Konsumenten mit den Augen kaufen und wir uns zu  oft gerne von einer attraktiven Verpackung verführen lassen. Im Grunde weiss das jeder und doch wehren wir uns zu wenig, und darum kaufen wir zu oft zu viel Karton, viel Plastik und viel Papier, was wiederum einen nicht nötigen Entsorgungsaufwand mit zusätzlichen Kosten bewirkt. In der Konsumgüterbranche haben es die Marketingverantwortlichen wirklich geschafft, das Missverhältnis zwischen Verpackungsgrösse und Inhalt als Standard zu verkaufen. Bei medizinischen Produkten, ungeachtet ob in Flaschen oder Fläschchen, in Dosen oder Döschen, in Schachteln oder Schächtelchen oder in grossen oder kleinen Röhrchen verpackt, spielt die Grösse beziehungsweise der Umfang der Verpackung keine Rolle. Es zählt nur der Inhalt, das heisst: die Anzahl der Tabletten, die abgefüllte Flüssigkeitsmenge aber auch die aufgerollten Meter Verbandsmaterial. Wenn jetzt noch in jeder Packung die effektiv vom Arzt verordnete Menge an Tabletten oder Tropfen wäre, dann würde ja eigentlich alles stimmen. Aber das ist bei weitem nicht so. Der Arzt verschreibt für 5 Tage je eine Tablette. Diese Dosierung wird in der Regel dann von der Apotheke noch mit einem Etikett als Einnahmevorschrift auf der Schachtel aufgeklebt. Und wenn die Verpackung ausgehändigt wird, hat man nicht 5 Tabletten, ev. plus 1, falls mal eine unter den Tisch fällt, erhalten sondern 20 Stück- Und dies, weil die kleinste Packung eben 20 Stück enthält. Und dann nach einer Woche wenn die Schmerzen vorbei sind und die 5 Tabletten ihre Wirkung erbracht haben, liegen die überzähligen 15 Tabletten, natürlich noch in der Originalverpackung, irgend wo in einer Schublade herum. Natürlich weiss jeder, dass Medikamente nicht in den Abfallkübel gehören sondern in die Apotheke zurück gebracht werden sollen. Und hier gibt es ein grosses, vermutlich sogar sehr grosses Entsorgungsfach, denn ein zweites Mal darf die angefangene Packung nicht mehr abgegeben werden. Der Arzt weiss, dass die Packung zu viele Pillen enthält, der Apotheker weiss, dass er zu viele heraus gibt und der gleiche Apotheker nimmt die zu viel herausgegebenen Medis auch gerne wieder zurück. Und warum ist ja mehr als klar. Der Umsatz von 5 Tabletten bringt 5 Franken und die Packung mit 20 Stück logisch 20 Franken Umsatz. Die herstellenden Chemiunternehmen können ja auch rechnen und wollen sicher keinen Umsatzverlust, weil sie nur die wirklich benötigte Menge produzieren dürfen. So lange diese Regelung dem normalen Alltag entspricht, zahlen die Versicherungen. Und wir schimpfen weiter über die zu hohen

Prämien und die viel, viel zu hohen Krankheitskosten oder Gesundheitskosten. Ich bin sicher, es gäbe hier viel Ansätze zum Kosten sparen. Packungen mit flexiblem Inhalt, zB mit 5+1 oder 10+2 oder sogar Einzelmengen. Die heutigen EDV-Systeme wissen doch genau, wie viel im Normalfall für eine Behandlung benötigt wird. Aber solche statistischen Auswertungen würden ja die verrückten Mengenproduktionen und die zu grossen Ausgabemengen pro Packung aufdecken und nach Kosten sparenden neuen Lösungen rufen. Aber noch scheint das keiner so richtig zu wollen. Wenn uns alle zu mehr Selbstverantwortung ermuntern, dann müsste ich beim nächsten Arzt- und Apothekenbesuch meine 5 Tabletten verlangen und keine mehr. So eine Diskussion ist vielleicht nötig um auf diese unhaltbare Situation aufmerksam zu machen- Warum nicht, ich mache mal diesen Versuch - und vielleicht probieren sie es ja auch mal. 

 

 

 

Schnäppchenjagd gestern und heute

Man muss gar nicht so lange zurück blicken, es gab eine Zeit in der viele Menschen vor den Läden anstehen mussten um Lebensmittel für ihr Überleben zu ergattern. Man sieht aber auch heute noch leider in den ärmeren Ländern der meisten Kontinente die Bewohner für Wasser, Reis oder etwas Getreide für ihr selbst zu backendes Brot anstehen. Wenn in London oder New York ein neues Handymodell vorgestellt wird, ja auch dann stehen die Menschen schon stundenlang vor dem Laden und warten bis endlich die Tür geöffnet wird, um eins der ersten und neuesten Wundergeräte zu kaufen. In der Schlange anzustehen um zu überleben oder um der erste zu sein, der mit einem neuen Handy angeben will. beides passiert auf dieser Welt zur gleichen Zeit, ist aber nicht das Gleiche. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an die Bilder aus den betroffenen Ländern mit Nachkriegsjahren, als verhärmte Menschen, aber mit zufriedenem Gesichtsausdruck, ihre nach langem Anstehen gekauften Lebensmittel in alten und geflickten Taschen heimtragen durften. Für all diese Menschen war ihr Anstehen keine Schnäppchenjagd, es war Teil ihres Überlebenskampfes. Auch die Handyfreeks waren nicht auf Schnäppchenjagd sondern auf einem Egobefriedigungstrip.

Und wer heute, speziell an Wochenenden, in die Zeitungen schaut, soll von Sonderangeboten und hohen Prozentzahlen verführt werden. Und viele, sehr viele lassen sich verführen. Sie auch? Vordergründig ist das ja auch sehr verlockend. Wer kauft nicht gerne seinen Wein mit 33% Rabatt ein. Aber weiss auch jeder was der ursprüngliche Normalpreis war oder ist? Wer sich diese Frage nicht beantwortet, kann auch in die Schnäppchenjäger-Falle laufen. Das gilt nicht nur für Weine, sondern sollte bei allem, bei Haushaltsgeräten, Fernsehern, Velos oder Sportgeräten, aber auch bei Lebensmittel und Obst beachtet und berücksichtigt werden. Zwei zum Preis von einem oder zwei kaufen eins gratis. Ein Quadratmeter Toilettenpapier mit 50% Rabatt. Toll oder? Aber wohin damit. Alle Schränke sind bereits mit Schnäppchen voll gestopft, auch unter den Betten stapeln sich noch, oder gar nicht gebrauchte Schnäppchenprodukte. Ich warte schon auf die Sonderangebote der Möbelhäuser und Kühlschrankhersteller, die ihnen den zusätzlichen Platz für die Schnäppchen anbieten. Wir kaufen durch die Schnäppchenangebote immer mehr Fleisch, auch teure Filetstücke obwohl wir eigentlich weniger Fleisch essen sollte. Wieviel Tiere könnten am Schlachthaus vorbei leben, wenn wir wirklich nur kaufen würden, was wir auch benötigen und essen. Jeder will seine Figur behalten oder abnehmen aber man hat die Kühlschränke und Schränke voll mit zu viel gekauften Esswaren. Ha, wenn es schon da ist, muss es auch gegessen werden, wir können die feinen Sachen ja nicht verkommen lassen. Lieber lassen wir unsere Figur verkommen. Zugegeben, auch ich habe bei gewissen Schnäppchen meine Mühe, beim Wein zum Beispiel. Hier lese ich auch jedes Sonderangebot - aber ich habe die Normalpreise notiert und vergleiche jedes Mal ob das Schnäppchen auch echt ist.

Etwas aufwendig, aber für meinen Wein darf das schon sein. Spannend wären auch Statistiken aus den Schnäppchenhaushalten, die aussagen würden, wie viel Franken sie im Jahr durch Schnäppchen gespart haben. Aber ehrlicherweise müsste man abziehen, wieviel Produkte mit verfallenem Genussdatum im Güseleimer gelandet sind. Diese Statistiken gibt es nicht, weil sie nie seriös und korrekt erhoben werden können. Wer gibt schon gerne zu, dass er auch nach einem Steak genug hatte und das zweite Schnäppchenstück nur gegessen hat, weil es ja da war. Ok bei meinem Wein könnte ich mir schon eine Ausnahme vorstellen. Aber wenn ich länger darüber nachdenke, bin ich nicht mehr so sicher, ob der Schnäppchenpreis den Geschmack verbessert hat oder ob ein fader Geschmack auf der Zunge zurück bleibt. Vielleicht sind Schnäppchen doch nicht alles.

 

                                                                                                                                    

 

 

 

Bank mit Aussicht - aber leider zugewachsen und verwildert

Ich freue mich über alle Initianten, Sponsoren, Gemeinden,  aber auch über alle Privatpersonen, die an exponierten Stellen eine Bank finanzieren und aufstellen. Dies geschieht sicher nicht rein zufällig, sondern wird vorher besprochen, manchmal braucht  es auch eine Bewilligung, bevor die Bank hergestellt und am neuen Ort aufgestellt wird. Sicher war das bei dieser Bank in Daerligen auch so. Dann aber wurde sie mehr und mehr vernachlässigt. Gräser und Büsche rund um die Bank wurden nicht mehr geschnitten. Langsam wuchs alles zu und man konnte nicht mehr zur Bank hinlaufen und  in Frieden Platz nehmen. Dabei wäre die Aussicht wunderschön. Aber jetzt mit der Floskel: ja früher war alles besser die alte Zeit bemühen und von einer Aussicht schwärmen, die heute von dieser Bank aus nicht mehr zu bewundern ist , bring es ja auch nicht. Eine berechtigt Frage wär vielleicht: Wie kann es passieren, dass man eine schöne Aussichtsbank einfach vergessen wird und einwachsen kann. Fühlt sich keiner mehr für die Pflege verantwortlich, haben vielleicht die Besitzverhältnisse geändert, wurde die pflegende Gärtnerei nicht mehr bezahlt. oder ist dem Besitzer einfach egal was mit seiner Bank passiert. Ok, es ist ja nur eine Bank. Wenn ich mich an Bilder aus Amerika oder Afrika erinnere, dann sah ich da auf Wiesen vor Wäldern ganze Lastwagen oder Lokomotiven verrosten und im Grün der Pflanzen langsam verschwinden. Das war geplant, zur offiziellen Entsorgung war es zu weit und zu teuer oder es gab diese Organisationen noch gar nicht. Schön ausgesehen hat das nicht. Die Natur als Schrottplatz ist ein fast nicht aushaltbarer Gedanke - und doch findet das alles statt. Aber vielleicht ist das auch alles nur sinnbildlich zu verstehen. Unser Gehirn und seine Speicherfähigkeiten ist ja eins der grössten Wunder in uns Menschen. So viel gutes und so viel Schönes kann hier abgelegt werden. Alle unsere Jahre mit den vielen Augenblicken sind hier gespeichert und können ein Leben lang abgerufen werden. Ja, das sind unsere Erinnerungen. Natürlich scheint in keinem Leben nur die Sonne, manchmal regnet es auch, das heisst, dass es auch schlechte und traurige Erinnerungen auf unserem Speicher gibt. Verrückt ist nur, dass bei vielen diese schlechten Erinnerungen bei einem Stichwort schneller auftauchen, als die Schönen. Schade eigentlich. Darum sollten wir uns vornehmen, das Schöne und Gute bewusster zu sehen und zu erleben, denn diese Augenblicke bereichern unser Leben. Jetzt bei diesen Gedanken hat die eingewachsene und vergessene Bank doch noch eine Aufgabe, nämlich mir zu zeigen, dass die Natur rund um die Bank auch heute noch schön ist, nur muss man die Schönheit halt heute im Stehen ohne Bank geniessen. Na ja, besser als keine so schöne Kulisse.

 

Ist Gleichheit oder Gleichmacherei wirklich möglich ?

Die Abstimmung über ein Bedingungsloses Grundeinkommen hat ja sehr eindeutig gezeigt, dass die Mehrheit diese Art Einkommensgleichheit nicht will und dass bei einer eventuellen Umsetzung mehr als ein Fragezeichen aufgetaucht wäre. Ich weiss auch gar nicht, ob die Initianten das Gleichheitsthema so richtig und mit allen Konsequenzen durchgedacht haben. In einer lockeren Freundesrunde und bei einem guten Glas Wein haben wir das Thema Gleichheit mal versucht auf dem Tisch zu sezieren. Anfangs harzte die Diskussion noch, einige fanden sie auch blöd, aber irgendwie nach kurzer Zeit haben dann alle Freude am Thema gefunden und die wildesten Gedankengänge auf den Tisch gelegt. Wenn der Staat für ein gleiches Grundeinkommen sorgen soll, dann müsste er eigentlich auch für eine gleiche Wohnmöglichkeit von vielleicht 25 Quadratmeter pro Kopf inkl. Kochmöglichkeit und WC zu einem gleichen Preis sorgen. Das Folgeargument kam dann sofort und schloss in die Gleichheit ein Grundticket für die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ein. Na ja, auf diese drei Gleichmachermöglichkeiten wurde zunächst mal das Glas erhoben um die Verrücktheiten runter oder weg zu spülen. Ja die Gleichmacherei hat seine Tücken. Wenn man sich zurücklehnt und darüber nachzudenken versucht, was, wo oder wie werde ich an Gleichheit erinnert, dann tauchen sicher bei jedem ganz unterschiedliche Bilder auf. Einer in der Runde sah ein Heer von Chinesen vor sich und alle in den grauen Anzügen mit Zweireiher und Stehkragen. Sofort kamen dann die Kindergarten- und Schuluniformen, wie man sie  in England, Amerika oder Australien kennt ins Gespräch. Bei den Schuluniformen wurde argumentiert, dass, wenn alle gleich angezogen sind, die Lehrer nicht sofort erkennen, wer daheim in einer Villa oder in einem Wohnwagen wohnt und daraus Vor- oder Nachteile für die Schülerin oder den Schüler entstehen könnten. Mit der gleichen Schul-Kleidung wird auch einem Shoppingtrend der jungen Mädchen entgegengewirkt, die einen Teil ihrer Freizeit in den Billig-Textil-Läden verbringen und ihr erstes Taschengeld in vielleicht nur einmal tragbare Höschen und T-Shirts stecken. Leider wird mit dem hier um sich greifenden Shoppingwahn die Näherin im fernen Osten nicht wirklich gefördert oder unterstützt. Das Wort Ausbeuterei trifft meistens besser zu. Auch in gewissen Religionen kennt man das Tragen eines gleichen Gewandes. Rote, weisse oder orange farbige Gewänder dokumentieren einmal ihre Gleichheit und Überzeugung im Glauben aber auch die Differenzierung zur kleidungsorientierten modernen Genuss-Gesellschaft. Eigentlich, so meinte einer, ist auch jede militärische Uniform eine Gleichmachung. In der Truppe und mit gemeinsamer Wut auf den Feind sind wir stark. So tönt es manchmal, so kann es aber auch völlig falsch sein. Wenn wir aber mal ehrlich in unsere Welt, wie sie sich in unserer Zeit präsentiert, schauen, dann ist schnell festzustellen, dass wir eigentlich in einer Leistungsgesellschaft leben und Gleichheit darin keinen oder sehr wenig Platz hat. In einem Seminar wurde das bekannte Beispiel zur Diskussion gestellt. Gib allen einen Hundertfrankenschein und beobachte was jeder damit macht. Nach kurzer Zeit stellst du fest, dass einer inzwischen ein paar Hundertfrankenscheine hat und andere fast oder gar nichts mehr. Und schau in die Wirtschaft. Auch hier setzt sich der Beste in einer Gruppe durch und wird befördert, die immer gleich schaffenden werden auch morgen noch gleich weiter schaffen, falls es ihren Arbeitsplatz noch gibt. Es wurde spät an diesem Abend aber alle hatten am Ende doch die gleiche Überzeugung: Die Schweiz hat mal wieder richtig abgestimmt - auch beim gleich hohen Bedingslosen Grundeinkommen. Dieser Gedanke liess uns gut schlafen.

 

 

Manche haben wirklich alle Hände voll zu tun

Vielleicht soll uns auch dieses Sprichwort, wie alle, etwas sagen. Aber was? Ich weiss es eigentlich auch nicht so richtig. Doch irgendwie muss ich ja auf dieses Thema gekommen sein. Ich sass in einem gut besuchten Cafe mit Blick auf das Jungfrau-Massiv. Das war eigentlich attraktiv genug, aber nur Jungfrau und so weit weg, ist auch nicht alles. Und darum wanderte mein Blick immer mehr runter in die vor mir promenierende internationale und aus allen Altersklassen bestehende Menschenmenge. Ja, Menge, denn ich habe gestaunt, wie viel Einheimische, oder welche, die zu mindestens so aussehen, und Touristen aus allen Kontinenten an einem normalen Mittwochnachmittag unterwegs sind. Und hier ist mir folgendes aufgefallen. Dass einer einen Fotoapparat mit schwerem Rohr und manchmal noch mit Stativ um den Hals hängen hat und gleichzeitig noch parallel, wenn es das Objekt hergibt mit einer Kleinbildkamera rumfotografiert, ist seit Jahren bekannt, zu mindestens wenn es sich um Japaner oder Chinesen handelt. In Amerika habe ich gelernt, dass man nie ohne eine Flasche Mineralwasser in der Hand fortgeht. Trinken ist wichtig und viel trinken auch noch gesund. Darum immer nuckelbereit sein. Also, in einer Hand eine Flasche Wasser, manchmal auch Hochprozentiges, und in der anderen einen Fotoapparat. Mit zwei vollen Händen unterwegs, ok locker sieht das für mich nicht aus. Aber da alles ja noch steigerungsfähig ist, gibt es auch hier neue Trends. Die Wasserflasche hat in einer Hülle am Hosengurt einen neuen Platz gefunden. Anstatt Flasche trägt man jetzt seinen Kaffeebecher, natürlich aus Karton oder Plastik, mit Deckel und Röhrchen durch die Gegend. In der anderen Hand ein modernes Handy oder ein etwas grösseres Tablett. Mit diesem Gerät wird telefoniert und fotografiert. Für eine gute Foto wird das Gespräch dann kurz unterbrochen. Der vollbepackte Höhepunkt war: Links ein Becher Kaffee, rechts der Fotoapparat und mit stark abgewinkeltem Kopf das Handy ans Ohr geklemmt wurde mehrdimensional der Augenblick festgehalten. Bewundernswert oder etwas gaga, das muss jeder selbst beurteilen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Kann man so den Augenblick, die Schönheiten der Welt, die Einmaligkeit dieser Jungfrauregion wahrnehmen und geniessen. Sicher nicht, aber dafür haben sie beide Hände voll und sie haben damit zu tun, dass auf allen Geräten der richtige Knopf gedrückt wird und keines der teuren Spielzeuge auf den Boden fällt, oder dass man am falschen Röhrchen zieht und den Kaffee anstatt im Mund auf dem Hemd hat. Ganz schön aufregend. Diese aktuellen Entwicklungen können nicht der Ursprung dieses Sprichwortes sein. Ich erinner mich an eine Aussage meiner Mutter, wenn ich mit aufgerissener Hose und aufgeschrammtem Knie heimkam, als sie sagte: Mit dir hat man auch alle Hände voll zu tun. Aber vielleicht hat sie mir diese Geschichte auch später als ich schon älter war, erzählt. Ich bin aber überzeugt, dass jede Mutter täglich alle Hände voll zu tun hat. Und wenn mehr als ein Kind auf sie wartet, wenn sie tagsüber oder zeitweise noch arbeiten geht, dann sollte die Gute mehrere Arme und Hände haben. Auch die Bauern und Landwirt haben im Frühling und in der Erntezeit mehr als alle Hände voll zu tun. Und das oft nicht nur an acht Stunden am Tag. Und wenn ich lese, dass in der Wirtschaft immer mehr Umsatz bei immer niedrigeren Kosten erarbeitet werden muss, dann könnte ich mir vorstellen, dass eigentlich alle, die im Berufsleben stehen, alle Hände voll zu tun haben. Einige haben nicht nur die Hände sondern auch die Nase voll und wollen oder können nicht mehr die erwartete Leistung bringen. Manchmal verständlich, aber persönliches Zurückstecken ist nicht einfach. Und doch, wer sich das vornimmt und schafft, lebt wieder freier und glücklicher, vielleicht auch etwas bescheidener. Und wenn man daheim noch ein kleines Hobby hat, dann kann man ja hierfür wieder beide Hände einsetzen. Vielleicht will man ja lieber alle Hände voll zu tun haben, weil auch viele mit ihren leeren Händen nichts anzufangen wissen. Aber das gilt sicher nur für die Wenigsten. Was würden denn sie mit ihren freien, leeren Händen gerne machen?

 

 

 

 

Drei Tage Glück, reicht das?

 

 

 

 

Jetzt in der Faschingszeit wurde mir in vielen Gesprächen wieder sehr bewusst, für was die Menschen arbeiten und auf was sie sich freuen. Drei tolle Tage im Fasching ist doch das Grösste, einfach toll. Sich verkleiden, sich schminken und mit einem Alkoholvorlauf unerkannt auf den Festen und Bällen aufkreuzen. Je nach Vor-Laufmenge ist es dann bei einigen bis zum Voll-Lauf-Zustand oft nur eine kurze Zeit. Macht nichts, man legt sich in eine Ecke und döst den Rauschansatz aus. Dann geht es aber auch sofort weiter, aber vermutlich in einem anderen, aber auch dekorierten Lokal. Man will die drei Tage im Jahr voll ausnutzen und natürlich geniessen, sofern der Alkoholpegel das dann noch erlaubt. Drei Tage Fasching für den einen, sind für den anderen die drei Tage beim Schwingfest. Ein anderer findet drei Wochen Ferien im Sand der Kanaren mit viel bräunender Sonne als sein Glück und seine Freude  für ein ganzes Jahr. Bemerkenswert ist bei den Glücksuchenden in den Ferien, dass aus drei Tagen drei Wochen geworden sind. Eine echte Steigerung der Glücksmomente. Grundsätzlich stellt sich in dieser Thematik die Frage: Warum und wo für leben diese Menschen? Sicher leben einige für ihren Verein und wenn der Schwing-Club oder der Musikverein jedes Jahr einen Grossanlass plant, dann heisst das für die echten Clubberer, das Freizeit, Ferien und Budget auf dieses Fest ausgerichtet werden. Ja man lebt für diesen Anlass und freut sich in der Regel, nachdem das Festzelt wieder abgebaut ist, schon wieder auf das nächste Jahr und plant alle privaten Anlässe um dieses Festanlass herum. Solche Mitglieder braucht der Verein. In der Regel kosten Ferien Geld und nicht wenige müssen unterm Jahr gezielt für ihr Ferienglück sparen. Sie schaffen, machen vielleicht noch Überstunden, leben eher bescheiden und sparsam bis sie dann endlich ihren Ferientraum buchen und bezahlen können. Mich wundert wie locker die Faschingskönige mit ihren Kostümköniginnen auf ihre tollen drei Tage warten müssen. Dreihundertvierundsechzig Tage hat das Jahr und davon sind 3 einfach nur toll und schön. 99% des Jahres wird gewartet um dann auf Konfetti, Freude, Lachen und Glück umzuschalten. Ich könnte das nicht, ich würde lieber an den anderen 361 Tage lachen, Freude haben und glücklich sein. So ist jeder anders. Wenn ich mir vorstelle, wie viel Menschen ihr Leben auf wenige Jahreshöhepunkte focusieren, dann macht mich das irgendwie traurig, weil jeder Tag in unserem Leben so viel Schönes und Glück bringendes mitbringt. Wenn man alles was man gerne tut auf wenige Tage im Jahr beschränkt, dann würde die Menschheit wohl bald aussterben. Um das zu verhindern erleben viele Paare in ihren Schlafzimmern sicher an über 300 Tagen ihr ganz persönliches Liebesglück. Klar wollen, wenn man mal hartnäckig hinterfragt alle an mehr Tagen glücklich als unglücklich sein. Sicher ist aber auch, dass man sein Glück nicht im Aussen finden kann, solange man dieses Glück nicht in sich, als ganz starkes Gefühl, erlebt und dafür dankbar ist. Dann kann es auch im Aussen strahlen und viele schöne Augenblicke als Glücksmomente erleben. Auch Glück braucht seine Zeit. Ich schaffe daran.

 

 

 

 

 

 

 

Schon die Steine verraten die Bergnähe

Das längste Dorf in der Schweiz , so las ich neulich, ist Beatenberg. Es soll auch eines der sonnigsten Dörfer sein. Darum fahren wir, wenn es unten am Thunersee noch Nebel hat gerne hoch nach Beatenberg. Klar laufen wir nicht das lange Dorf ab um Kilometer zu machen, nein wir bevorzugen einen kleinen Höhenweg, der, würde man ihn bis zum Ende laufen, auf das Niederhorn führt. An unserem Stundenrundgang kommen wir an tollen Chalets mit wunderbar gepflegten Vorgärten vorbei, aber auch an kleineren Bergbauer-Höfen, die meistens wenig Vieh haben aber dafür verschiedene Käsesorten im Direktverkauf. Eier und bei einigen sogar Speckseiten liegen auch zum Verkauf auf. Meistens wandert ein Stück Bergkäse die letzten Kilometer mit. Er ist auch wirklich gut und die kleinen Beatenbergbauern freut der Umsatz. Auf dem Hinweg liegt der Thunersee links unter uns und links auf fast gleicher Höhe begleitet uns das Jungfrau-Berg-Gebiet. Und immer wieder diskutieren wir darüber wo jetzt genau der Männlichen, unser bevorzugtes Skigebiet, liegt. An den Hangbefestigungen und den Seilbahnstützen erkennen wir es dann nach kurzer Zeit immer sofort wieder. Auf unserem Rundgang gibt es auch ein wunderbares Bänkli mit offenem Blick in die Bergwelt rund ums Jungfraumassiv. Von diesem prachtvollen Ausblick kann man eigentlich nicht genug kriegen, so einmalig und phantastisch erscheint uns die Kulisse. Viele, eigentlich alle hier oben denken so und schätzen sich glücklich diese Schönheiten sehen und erleben zu dürfen. Jetzt sitze ich hier auf dieser typischen Alpenbank und denke über unsere immer mehr von der Wirtschaft und Geldgeilheit beherrschen Welt nach, die zum Glück noch nicht auf die Idee gekommen ist, diese, in unserer Schweiz im Überfluss vorhandene Schönheit, mehr zu vermarkten um alle Traumausblicke nur mit Eintritt und Gebühren zugänglich zu machen. Verrückt, aber in Gedanken darf man auch mal spinnen. Schlussendlich musste ich über meine Gedanken schmunzeln und wurde innerlich immer ruhiger und dankbarer, dass diese Schönheit nie käuflich sein wird, sondern nur bewusst und dankbar von allen genossen werden darf.

 

Vieles wird auf die lange Bank geschoben

Das war neu für mich, so eine lange Bank am Waldrand etwas erhöht vom Wanderweg. Vermutlich hat diese Bank ein Wanderclub mit vielen Mitgliedern gebaut, der mit dieser Rastbank die Teilnehmerzahl bei ihren Clubwanderungen erhöhen wollte. Vielleicht ging es vor Jahren sogar um einen Eintrag ins Ginesbuch der Rekorde. Ich weiss es nicht und wollte eigentlich auch keinen fragen. Ich war fasziniert und in meinem Kopf liefen die verschiedensten Geschichten ab. Ich stellte mir vor, eine Schul-klasse mit Vierzehnjährigen stürmt auf die Pausenbank zu und es gibt kein Gerangel um einen Sitzplatz. Alle finden Platz, schön langweilig, denn der Kampf um einen Bankplatz gehört, speziell bei Buben, doch zum Wanderspass. In einem anderen Film wurde ich gefragt: Schiebst du eigentlich auch Dinge auf die lange Bank? Sicher tue ich das in einigen Fällen, aber generell folge ich dem Leitsatz: Schön sind die erledigten Dinge. Aber es ist schon so, dass unangenehme Entscheidungen von vielen eher auf die lange Bank geschoben werden. Vielleicht hat man Angst vor der Entscheidung, vielleicht ist es etwas sehr unangenehmes für den, der von dieser Entscheidung betroffen ist. Mag ja alles sein, nur tut uns das Hinausschieben von Entscheidungen gut? Wohl kaum, denn die Gedanken belasten uns und drücken auf unser Gemüt. Es macht uns eher unzufrieden. Ist die Entscheidung dann aber gefallen, ist man oft wie befreit und die lange Bank schnell vergessen. Als junger Mensch in Ausbildung und ohne Geld habe ich viele, eigentlich alle Zahlungen auf die lange Bank bis zur ersten oder zweiten Mahnung auf die lange Bank geschoben. Schön und fair war das nicht, aber schlussendlich habe auch ich dann bezahlt. Und als dann nach der Heirat meine Frau den Zahlungsverkehr übernahm, waren die Mahnungen längst Geschichte. Es ist schon spannend, man wird irgendwo und irgendwie durch die verschiedensten Einflüsse und Erlebnisse immer wieder an persönliche Situationen erinnert, an sehr schöne aber auch an eher blöde, wie meine frühjugendliche Zahlungsmoral. Ja das war keine nachahmenswerte Zeit, es tut mir auch leid um die auf Geld wartenden Rechnungssteller. Sie werden mir verziehen haben. Danke. Nach einigen Minuten haben sich meine Gedanken dann von dieser langen Bank verabschiedet und mich packte dann schon noch die Neugier, warum wer diese Bank hierher gestellt hat. Leider kam kein Wanderer vorbei, den ich befragen konnte. Egal, manche Geheimnisse sollen auch solche bleiben.

 

 

 

Auch Inhausbänke können Geschichten erzählen

Ich sass in diesem Jahr auf vielen Bänken und bin mit meinen Augen und Gedanken spazieren gegangen. Meistens schien die Sonne und es war warm. Darum hat es keine Rolle gespielt ob es eine Stein- oder Holzbank war. Es war einfach nur schön, die Natur in ihrer ganzen Pracht erleben zu dürfen. Ich war fasziniert von der Vielfalt der Bäume und Pflanzen im Wald, auf den Wiesen und auf den landwirtschaftlich betriebenen Feldern. Ich sah die Spiegelungen dieser Natur in den kleinen Seen und auf ruhigen Flussläufen und ich höre immer noch das Plätschern der Bäche und die vielen unterschiedlichen Vogelstimmen. Nie überraschte mich ein Regen oder nasse Bänke, was allerdings bei diesem Sommer 2015 kein Wunder war. Jetzt wird es aber langsam Herbst, die Temperaturen sinken, die Sonnenstunden werden weniger und Nebel, Nieselregen oder auch mal ein richtiger Regenguss gehört zum Alltag. Mein Velo habe ich inzwischen auch versorgt, denn zugegeben, ich bin schon ein Schönwetter und Fun-Radler, der bei Temperaturen unter 15 Grad auch mit Handschuhen nicht mehr so motiviert ist aufs Velo zu steigen. Natürlich wäre zu Fuss eine Alternative und auch ich weiss, dass Laufen sehr gesund ist, aber leider habe ich mir bei einem Treppensturz mein Knie mehr als verdreht und bin noch nicht wieder so gut zu Fuss und muss das Wandern und längere Laufen noch etwas hinausschieben. Aber, ich bin sicher, es kommt schon wieder.                                                                                          

 

Als ich meine augenblickliche Situation mit den Stichworten Herbst, Kälte, Regen, nasse Bänke, Knie verdreht, keine Velofahrten und nicht gut laufen können, daheim mal so beiläufig zur Sprache brachte, machte meine Frau eine für mich spannende Bemerkung. Sie fand, dass es auch in den verschiedensten Gebäuden oder Transportmitteln Bänke gibt, auf denen schon viele viele Menschen sassen und die unterschiedlichsten Geschichten erlebt haben, schöne aber sicher auch manchmal traurige. Das war der entscheidende Input für eine Serie von Geschichten über Bänke, die nicht in der Natur sondern in den verschiedensten privaten oder öffentlichen Gebäuden stehen, vielleicht auch in Bussen, Zügen oder Bergbahnen. Jetzt freue ich mich auf Begegnungen mit Menschen, die ich auf den verschiedensten Bänken antreffe, sei es im Gemeindehaus, im Spital, in der Kirche, im Gerichtssaal oder sonst irgendwo.

Aber vielleicht haben sie auch noch eine Idee, in welchem Gebäude eine oder mehrer Bänke stehen, auf denen man interessante Mitmenschen antreffen kann. Tips nimmt gerne die Andelfinger Zeitung entgegen oder auch ich direkt per mail. Vielen Dank und bis bald auf einer Inhausbank.

 

 

Hinten am Fenster sass ich am liebsten  (Schulbank)

In den letzten Tagen der Schulferien besuchte ich unser Schulhaus im Dorf. Ich wollte noch einmal ungestört in einer Schulbank sitzen und meinen Erinnerungen an meine eigene Schulzeit nachgehen. Als ich dann den ersten offenen Klassenraum betrat, wurde ich schlagartig in die heutige Zeit versetzt und mein Erinnerungsbild rückte in den Hintergrund. Es gibt keine Bänke mehr. Anstatt Bänke stehen Stühle rund um die modernen Schultische. Es gibt Zweier- oder Vierertische, alle locker im Raum verteilt. Alles wirkte sehr hell, freundlich und spiel- und lernfreundlich - aus meiner Sicht. Ich setzte mich auf einen Stuhl in der letzten Reihe am Fenster und schloss für einen Augenblick die Augen. Ich dachte mich in meine Schulzeit zurück, die allerdings inzwischen fast ein halbes Jahrhundert hinter mir liegt. Es waren die ersten Jahre der Nachkriegszeit in einem kleinen Dorf im westfälischen Sauerland Deutschlands. Bedingt durch die Flüchtlingswelle aus den ostdeutschen Gebieten gab es mehr schulpflichtige Kinder als Bänke vorhanden waren. Ja, damals gab es noch Bänke, die mit dem Pult verbunden waren. Zwischen zwei Sitzplätzen gab es eine Holzstrebe, die der Tisch-Bank-Kombination Stabilität verleihen sollte. Als Folge der grossen Schülerzahlen mussten die Zweierbänke mit drei Kindern belegt werden. Arm dran, war der oder die in der Mitte mit der Strebe zwischen den Beinen. Aber auch hier gab es einen Vorteil, die Mittebankschüler wurden viel seltener, wegen dem komplizierten Ein- und Ausstieg, an die Tafel vorgerufen um ihr Wissen aufzuschreiben. Ich hatte das Glück damals Klassensprecher zu sein und somit den Vorteil aussen in einer Bank zu sitzen. Zudem durfte ich meine Reihe wählen und das tat ich bewusst, indem ich mich für die letzte Reihe am Fenster entschied. Wenn es mir langweilig wurde, und das passierte oft, konnte ich mit leichtem Seitenblick das Treiben draussen auf der Strasse beobachten. Manchmal musste ich auch während der Stunde eine Landkarte aus dem Kartenzimmer holen und vor der Tafel aufhängen. Und einmal schickte mich unser Klassenlehrer zur Post um für ihn Briefmarken zu holen. Der Auftrag war klar: Hol bitte sechs Zehnermarken. Dann fragte er: was kosten die, wieviel Geld muss ich dir mitgeben? Ich muss so über den Auftrag verdattert gewesen sein und kam nicht auf die Antwort sechzig. Alles lachte und ab diesem Zeitpunkt habe ich bei allen Tricki- und normalen Fragen, sehr genau hingehört und war ab da in solchen oder ähnlichen Situationen immer sehr wach. Ich sollte dem Lehrer, der hat sich aber leider schon hinter die Wolke sieben verabschiedet, dankbar sein, denn es war ein gelungener Lehrplatz in der ersten Klasse. Geblieben sind auch die unschönen, aber damals durchaus üblichen, kleinen Erziehungsmassnahmen mit dem Stöckchen. Auch ich musste mehrmals meine Hand hinhalten und das Stöckchen kennen lernen. Aber meistens ging der rote Streifen schnell vorbei und ich konnte weiter schreiben. Ich erinnere mich auch, dass es damals schon spannend war mit den Mädchen in einer Klasse, manchmal sogar in der gleichen Bank, sein zu dürfen. Es gab nämlich sehr hübsche, hübsche , weniger hübsche und auch die anderen. Irgendwie war das eine gute Erinnerung, die mir trotz damals erst Sechsjährigem geblieben ist. Wenn ich jetzt, während ich hier sitze, sagen sollte, ob ich eigentlich gerne zur Schule gegangen bin,  dann gibt es keine eindeutige Aussage. Ich habe mir die Schule irgendwie eingerichtet. Mir war sehr schnell klar, dass die Versetzung wichtiger ist, als die Noten während des Jahres. Klar, es musste einfach reichen und das hat es auch immer. Ich war kein Streber und fand wie die Meisten den Schulweg, die Pausen und Sportstunden am lässigsten. Nach jedem Elternabend mussten meine Eltern hören: Der könnte viel mehr leisten, wenn er etwas mehr lernen und sich am Unterricht beteiligen würde. Die Folge war, dass ich jeden Morgen mit der Botschaft meiner Mutter, pass schön auf und melde dich immer, zur Schule ging. Rückblickend war meine Schulzeit, bis auf wenige Situationen, eigentlich schön, und ich bin heute für all die Jahre und die Geduld und das Verständnis meiner Lehrer dankbar. Aber damals war wirklich alles noch ganz anders, nicht nur die Schulbänke.

 

 

Ein natürlicher Schwimmteich - und sogar für alle zugängig.

Kurz hinter Uesslingen sehe ich rechts von mir zwei Velos auf einer Lichtung neben einer einladenden Bank stehen. Ein Damen- und ein Herrenvelo einsam am Waldrand, das machte mich neugierig. Ich bog auch ab und je näher ich kam, hörte ich fröhliche Stimmen von zwei jungen Menschen, die sich im Wasser tummelten und es richtig nett und lustig mit einander hatten. Ich war überrascht, die Bank stand direkt mit Aussicht auf einen Schwimmteich. Als die zwei dann langsam aus dem Wasserkamen, begrüssten wir uns und ich fragte zaghaft ob hier das Baden für Jedermann erlaubt ist. Klar meinten sie, aber ich soll doch am besten jetzt das Bad geniessen, denn in gut einer Stunde wäre hier der Bär los. Ich harkte noch mal nach und wollte wissen, ob das kleine Paradies hier denn kein Privatbesitz ist und sie als vielleicht Familienangehörige hier baden dürfen. Beide lachten und meinten: Schön wärs, aber der Teich und dieses kleine Wiese mit Bank und Grillplatz ist öffentlich. Ich folgte ihrem Rat und schon stand ich, zugegeben ohne  Badehose, im Wassser. Ein kurzer Taucher und zwei Schwimmzüge und schon krabbelte ich wieder an Land und schlüpfte blitzschnell in meine Kleider, denn ich hörte schon die ersten Badefans anrollen. Ich traute meinen Augen nicht. Auto um Auto rollte an, Luftmatratzen, Campingliegen und Stühle wurden ausgeladen und zielgerichtet an den verschie-densten Orten aufgestellt. Ich hatte den Eindruck, alles ist abgesprochen, man kennt sich und jeder hat seinen Platz hier, wie an jedem schönen Wochenende. Zwei Familien steuerten direkt den Grillplatz an und nach wenigen Minuten hörte man schon die ersten Holzstücke knistern und bekam einen Vorgeschmack auf die Servelats und Bratwürste. Vielleicht hatten einige auch ein Stück Fleisch dabei. Ein schönes Bild: Zufriedene Menschen aller Altersklassen genossen, die Natur, den Schwimmteich und den Grill, natürlich auch den Inhalt der grossen Kühltache. Überraschend war auch, dass nicht alle der vielleicht acht Familien ein perfektes Schwyzerdeutsch sprach. Gebrochenes Spanisch und Türkisch störte hier keinen. Eine internationale Schwimmteichfangruppe lebte Integration in natürlichster Form. Klar dass die mitgekommenen Kinder schon im Wasser waren und lautstark ihre Freude rausjubelten. Ich schwang mich dann auch wieder, schön erfrischt, auf mein Rad und dachte: Irgendwie ist die Welt doch noch in Ordnung, vielleicht nicht überall, aber hier war sie es. Ich genoss die Stimmung rund um den Schwimmteich und radelte schmunzelnd weiter..

 

 
Was fällt ihnen beim Stichwort Bank ein?   (Eigentliche Startgeschichte)

 

Es war ein schöner warmer und sonniger Frühlingstag. Ich war mit dem Velo entlang der Thur unterwegs und dachte an eine kleine Pause. Schon von weitem sah ich sie, die erwünschte Bank. Velo abstellen, Getränkeflasche rausholen und schon sass ich in einem wunderschönen Naturcafe. Es ging dann nicht lange und ein Spaziergänger oder vielleicht war es auch, nach seinen Schuhen und dem Rucksack zu schliessen, ein echter Wanderer. Er fragte sehr nett, ob er sich dazu setzen könnte und fing nach meinem: klar doch, sofort und ganz locker ein Gespräch an. Seine erste Frage überraschte mich: Woran denken sie, wenn sie das Stichwort Bank hören? Ich überlegte nicht lange und antwortete: An nichts Gutes, denn Gewinnsucht, der Bonuswahnsinn in den Chefetagen oder die Bankprobleme mit USA oder Griechenland sind ja wirklich nichts Positives. Als wenn er diese Antwort erwartet hätte, lachte er mich an und meinte: wie kann man auf einer so wunderschönen Bank an diese unschönen Geldgeschichten denken. Dann lachte ich auch und gab ihm natürlich recht. Im folgenden Gespräch erfuhr ich dann, dass er schon auf vielen Bänken in dieser Gegend sass und festgestellt hat, dass alle nicht irgendwo aufgestellt wurden, sondern alle an speziellen Plätzen mit einer oft einmaligen Aussicht. Es muss, so meinte er, eine gute Planung und Absprache zwischen den Banksponsoren und den zuständigen Behörden geben, denn er hätte wirklich noch keine Bank angetroffen, die ihm nicht das Gefühl vermittelt hätte, in einem kleinen Naturparadies zu sitzen. Ich hörte begeistert zu und nahm seine Empfehlung ernst, die er mir, als er dann aufstand und weiter ging noch zu rief: Und achten sie mal darauf wie viele wunderschöne Bänke noch auf sie warten. Mach ich, und viel Spass auf der nächsten Bank. Jetzt ging mein Blick wieder nach vorne und ich nahm das langsame und leise Dahinplätschern der Thur war. Das im Sonnenlicht glitzernde Wasser umspühlte die kleinen Kieselsteine und liessen sie wie goldene Perlen erscheinen. Verschiedene Vogelstimmen untermalten dieses friedliche Bild und versetzten mich für einige Augenblicke in einen Glückszustand. Toll oder, kein Wunder freue ich mich schon jetzt auf die nächste Bank.

 

 

Es muss doch zwei unterschiedliche Sichtweisen geben

Nördlich von der Moersburg liegt ein kleiner Weiher, der noch vor einigen Jahren Teil einer Kiesgrube war. Nach der Stilllegung verschwanden die Kiesboxen und geblieben sind zwei kleine, aber untereinander verbundene Weiher, in dem unter anderem eine Anzahl Frösche leben. Ihr unverkennbares Quaken durchbricht manchmal die wohltuende Ruhe. Wenn man nahe genug am Weiherrand steht und die suchenden Augen in Richtung Quakgeräusch richtet, kann man die verschiedenen kleinen Frösche sogar an der Wasseroberfläche sehen. Wer allerdings auf einer der etwas erhöhten Bänke Platz nimmt, muss sich entscheiden ob Sicht auf den Weiher oder Ausblick auf die angesäten Felder gewünscht ist. An diesem Rastplatz stehen nämlich zwei Bänke. Rechte Bank mit Teichsicht, linke Bank mit Feldsicht. Ob das die wirkliche Zielsetzung beim Aufstellen der Bänke war? Möglich, aber vielleicht haben die Initianten auch an Paare oder Gruppen gedacht, die auf den letzten Metern bis zum Rastplatz nur rumgehampelt und gestritten haben. Jetzt kann man sich getrost den Rücken zuwenden und denken; ja denken was man will. Ich bin aber sicher, die aufgewühlten und streitwilligen Gedanken beruhigen sich in der friedlichen Weiheratmosphäre sehr schnell und kurz vor dem Weitergehen sitzen dann beide auf der Bank links und verabschieden sich mit einem gemeinsamen Blick in Richtung Wasser und Frösche. Vielleicht verbirgt sich hinter den zwei Banksichtweisen auch etwas ganz anderes. Einen politischen Hintergrund mit einer Links- und Rechtsdenke vermute ich nicht, denn das hätte man auch mit Farbanstrichen lösen können. Ich glaube eher, dass uns einer mit Recht sagen will, dass es eigentlich für fast alles zwei unterschiedliche Sichtweisen gibt und man lernen muss, unterschiedliches Denken zu akzeptieren. Und das ist nicht immer leicht, aber auf diesen Bänken gelingt das..

 

 

 

Vier dicke Bohlen und Beton, eine Bank für die Ewigkeit

Vielleicht denken doch mehr Menschen an die Zukunft und nicht nur an sich und jetzt. Sie planen und bauen für die Nachwelt und freuen sich schon heute, dass irgendwann mal irgendwelche Menschen noch oder auch Freude an ihrem heutigen Tun und Wek haben. Mit dieser Art Denke muss die, in der Nähe der Kartause Ittingen,  angetroffene Bank wohl gebaut worden sein. Aus vier markanten und dicken Betonelementen und vier dicken Bohlenbretter wurde vor Jahren diese Bank erstellt. Als ich mich dann darauf  setzte, dachte ich, diese Bank könnte auch in einer alten Ritterburg vor einem Brunnen stehen. Eigentlich bin ich aber dankbar, dass Bänke, wann auch immer, gebaut werden, die mehrere Generationen überleben. Diese Bank wird noch ein paar Jahre hier stehen und manchen Wanderer zu einem Marschhalt einladen. Nur der Ausblick, von der Bank aus, fehlt. Recht hoch gewachsenes Gebüsch, das sich schon fast zu einem kleinen Wäldchen ausgebreitet hat versperrt die Aussicht in die Weite. Dadurch wirkt der Wanderweg sehr schmal, obwohl Landwirtschaftsfahrzeuge hier regelmässig durchfahren. Vermutlich war das aber nicht immer so. Ich kann mir gut vorstellen, dass zu der Zeit als diese Bank aufgestellt wurde noch nichts von dem Gebüsch vorhanden war. Vielleicht fühlt sich heute keiner verantwortlich für die alte Bank ohne Aussicht und darum bleibt alles wie es ist, ausser dass das Gebüsch jedes Jahr etwas mehr wächst. Zum Glück ist die Bank mit den Jahren nicht eingewachsen. Aufkommendes Gras und Kleinbuschwerk wurde immer wieder ab- und zurückgeschnitten. Man sieht, mit einem richtigen Sackmesser können nicht nur Servelas aufgeschnitten werden, sondern auch Bänke frei gehalten werden. Ab sofort habe auch ich ein Schweizer Sackmesser in der Tasche. Man weiss ja nie bei welcher Bank es für einem Spezialeinsatz benötigt wird.

 

 

 

 

Eine der neueren Kolumnen

Die Frage am Abend: Spielen oder Plaudern, aber über was?

Diese Frage stellt sich sicher nicht für alle, denn die meisten sitzen vermutlich vor dem Fernseher und lassen sich unterhalten oder mit den vielen Krimis aufregen. Einige basteln, nähen oder lesen, und das ist doch gut. Und dann gibt es auch noch diejenigen, die gerne mit Freunden zusammen sitzen möchten um miteinander zu plaudern oder eben auch um zu spielen, zum Beispiel um einen Jass zu klopfen. Klar, trifft dieses Bedürfnis eher auf eine Generation zu, die schon etwas in die Jahre gekommen ist und die ihre Berufswelt in der Vergangenheit mehr oder weniger genossen, aber nun abgeschlossen, hat.

Diese Generationen haben Zeit, viel Zeit, auch an den Abenden. Sie schätzen die Absprachen mit  Freunden zu einer gemeinsamen Unternehmung. Ich freue mich auch immer auf diese Abende, die in der Regel mit einem friedlichen Jass enden. Vorher wird ein kühler Umtrunk genossen, manchmal werden auch kleine Köstlichkeiten serviert. Natürlich wird auch geplaudert und erzählt was es in den Familien so ereignet hat. Aber in der Regel werden spätestens nach einer Stunde die Jasskarten gemischt und dann kann das Spiel beginnen. Gesprochen wird dann nur noch über die guten oder schlechten Karten und mit gezielten Fragen will man herausfinden, ob es besser gewesen wäre, wenn ich geschoben hätte. Selbst beim Jassen steht die Vergangenheit, also das letzte Spiel, im Mittelpunkt. Als nicht so guter Jasser werde ich auch immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass man den Bauern spielen muss um dem Partner zu zeigen, wie stark man ist. Es darf nur über die Karten gesprochen werden, alles andere könnte die Konzentration stören - und plötzlich weiss man nicht mehr wie viel Trümpfe schon gegangen sind.

Mal miteinander reden?

Ich habe mir schon mehrmals nach solchen Abenden die Frage gestellt: Könnten wir auch rund fünf Stunden ohne zu spielen zusammen sitzen und nur plaudern und diskutieren?  Auf der Suche nach einer Antwort wurde ich immer unsicherer. Schon bei der Themenwahl ergeben sich Schwierigkeiten, denn das Schwerpunktthema Krankheit mag ich nicht. Rede über deine Krankheit nimmer sonst wird sie nur noch schlimmer. Und doch reden viele, für mich zu viele, zu gerne von ihren Wehwehchen und sind stolz, dass sie mit den neuesten Medikamenten wieder schmerzfrei sind. Und dann werden natürlich auch alle Bekannten zitiert, die ja eigentlich noch schlechter dran sind, als man selbst. Und dieser Krankheitsaustausch wird natürlich mit jedem Altersjahr umfangreicher. Ich staune auch, wenn in diesem Thema von einem Krankheitsgewinn gesprochen wird, der darin besteht, dass man dank seinen Krankheiten mehr Zuwendungen und Liebe erhält. Schon mehrmals habe ich im vertrauten Kreise die Bitte ausgesprochen, heute Krankheiten nicht zum Thema zu machen. Das dann auch meistens akzeptiert wurde-.

Viele Menschen haben selbst im Bekanntenkreis Mühe über ihre persönliche Gemütslage und den Ursprung einer Verstimmung zu sprechen. So bleibt denn als Gesprächsbasis meist nur das aktuelle Tagesgeschehen übrig. Auch hier lassen sich bei den vielen kriegsnahen Brandherden keine Aufsteller-Themen finden. Es reicht, dass die Medien mit diesen Blut-, Angst- und Horrorszenarien ihre Blätter und Sendungen füllen. Wer in keine Streitdiskussion einsteigen will, sollte die Themen Politik, Kirche und Religionen meiden, denn in keinem Bereich kann man so unterschiedliche Auffassungen und festgefahrene Meinungen haben. Kommt dazu, dass meistens jeder zu jedem Problem auch eine, sprich seine, Lösung bereit hält. Die grossen Unterschiede und die Vielzahl der Themen macht eine gute und befriedigende Diskussion oder gar eine lockere Plauderei am runden Tisch bei einem guten Glas Wein nicht einfach, eher schwierig bis unmöglich. Hinzu kommen überdies die unterschiedlichsten Typen und Charaktere der Teilnehmer. Obwohl man ja schon weiss, auf was wer gereizt und allergisch reagiert, steht man manchmal voll im Fettnäpfchen, weil Emotionen nicht zu vermeiden waren.

Streitfreie Gespräche und Diskussionen zu führen ist schon hohe Schule und kann aber zum Glück gelernt werden. Es gibt zu diesem Thema viele und gute Seminare. Sich hier mal schlau zu machen ist vielleicht keine schlechte Idee, eigentlich für alle Generationen, auch für mich.

 

Der Mai 2015-Schmunzler

Bin ich wirklich schon mit Brille geboren?

Wir sassen mit Freunden zusammen und plauderten locker über uns, über Gott und die Welt. Plötzlich spürte ich ein Jucken im Auge. Ich nahm die Brille ab, kniff das Auge zu und hoffte auf Tränen, die den Fremdkörper raus spülen sollten. Während dieser Zeit legte ich die Brille auf den Tisch und diskutierte wieder mit. Einer aus der Tischrunde schaute mich an und fragte: Bist du eigentlich schon mit Brille geboren? Wieso das, war meine Antwort. Er meinte dann nur ganz trocken: Du und dein Gesicht ohne Brille ist völlig fremd und ich hab den Eindruck, ohne Brille bist du nicht du, wie ich dich kenne. Wir lachten und stellten fest, dass Äusserlichkeiten schon prägen und echte Brillenträger ohne ihr Fahrrad auf der Nase wirklich fremd aussehen. Aber gilt das nur für eine Brille? Keiner fragt natürlich, ob ich schon mit meinem Bauchvorbau auf die Welt gekommen bin. Vermutlich weil es dem Fragenden peinlich ist. Als ich dann noch erwähnte, dass auch ich mit hellblonden Haaren auf die Welt kam. Also ist meine Fleischkappe auch mit der Zeit entstanden obwohl ich mit allen Haarwässerchen und Cremen probiert habe, eine Glatze zu vermeiden. Vergebens. Jetzt lebe ich damit und die fehlenden Haare gehören längst der Vergangenheit an. Und sollte ich irgendwann mal ein Hörgerät benötigen, dann ist das auch eine Folge von Veränderungen auf meinem Spaziergang durch mein wunderschönes und spannendes Leben. Ja, so wird jeder in seinem Leben mit Veränderungen konfrontiert und wenn er diese bereit ist anzunehmen, dann gehören sie sehr schnell zu seiner Person und seinem Typ. Und für die Familie, für Freunde und Bekannte sind es dann keine Besonderheiten mehr, sondern sie werden zu Selbstverständlichkeiten. Mit meiner Brille und dem seit Jahren vertrauten Modell lebe ich, wie mit meiner Glatze, die auch zu mir gehört. Nur bei dem gewichtigen Vorbau bin ich nicht sicher, Hier bin ich gefordert, eine ungewollte Veränderung zurück zu drängen. Ein hartes Stück Arbeit liegt da vor mir.

 

 Der April Schmunzler

 

Der Aprilscherz, eine gute Erfindung, oder?

Ich bin sicher, jedes Kind hat im Frühjahr darauf gewartet bis das Kalenderblatt den 1. April anzeigte. Denn an dem Tag durften alle, die morgens nicht an diesen Brauch dachten, irgendwie reingelegt oder irre geführt werden. Ich weiss nicht mehr bei wie vielen ich damals auf die Brust zeigte und sagte: Schau mal, ein Riesenfleck. Wenn sie dann den Kopf senkten und nachschauen wollten, war ich mit meinem Zeigefinger da und gab ihnen einen leichten Nasenstüber und rief schadenfreudig: April April. Aber nicht nur Kinder haben am 1. April ihren Spass, sondern eigentlich alle Menschen, na ja, zu mindestens die Meisten. Heute werden an diesem Scherztag in allen Medien, egal ob in den Zeitungen, im Radio oder im Fernsehen, Mitmenschen durch erfundene oder verfälschte, meist sogar spektakuläre Geschichten oder Informationen hereingelegt und so zum Narren gehalten. Der eine hat dabei Freude und dem anderen stinkt es natürlich, reingefallen zu sein und keinen aus seinem Umfeld selbst in den April geschickt zu haben. Es ist schon eigenartig was hier abläuft. Es scheint, dass der Mensch spitzbübige Freude verspürt, wenn er einem anderen einen auswischen, wenn er einem Mitmenschen das Blaue vom Himmel als Wahrheit erzählen kann. Resultieren vielleicht aus diesem, sicher oft unbewussten, Tratzen, Ärgern oder Reinlegen ungewollte Konflikte in der Familie, im Freundeskreis, mit Nachbarn oder sogar auch im Politalltag. Möglich ist auch, dass diese heimliche und unterdrückte menschliche Schwäche die Ursache für viele Streitereien, die ja eigentlich keiner will und braucht, sein kann. Aber vielleicht wurde darum irgendwann 1618 in Bayern die Redensart: in den April schicken erfunden und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Begriff Aprilscherz erstmals dokumentiert. Ich bin sicher, man wollte sicher stellen, dass an einem Tag im Jahr die kleinen oft auch bösartigen Niggeligkeiten erlaubt werden, damit an den Resttagen des Jahres nur nett, fair und ehrlich miteinander umgegangen wird. Somit bin ich eigentlich froh, dass es den 1. April gibt. Wünschbar wäre natürlich, dass das alle so sehen.

 


Der März Schmunzler
Wenn es im Kalender steht, beginnt der Frühling

Wenn es im Kalender steht, beginnt für viele der Frühling. Dann ist es klar, denn man hat es ja schriftlich, egal was um uns herum passiert. Eigentlich schade. Für mich, und da bin ich nicht alleine, ist der Frühling die schönste und kreativste Jahreszeit,   und auch eine sehr anregende. Der Frühling will mit all unseren Sinnen wahrgenommen werden. Er tut uns gut, weil es die Zeit des Erwachens ist. Die Natur macht sich bereit, um uns bald ihre vielfältige Pracht zeigen zu können. Der Winterschlaf ist vorbei, nur wir Menschen, zu mindestens einige, wollen das noch nicht wahrhaben und wechseln ohne Übergang in die Frühjahrsmüdigkeit und rechtfertigen so, dass sie noch nicht so richtig in die Gänge gekommen sind. Ja, ich meine, den Frühling kann man spüren, man kann ihn hören, man kann ihn fühlen uns man kann ihn sehen. Mit den wieder länger gewordenen Tagen erhöht sich auch die Anzahl Sonnenstunden und die Kälte wird langsam durch Wärme abgelöst. Und wer nur nach dem Kalender leb t, realisiert vielleicht nicht, dass es draussen schon recht angenehme Temperaturen hat und läuft immer noch im Wintermantel, mit Schal oder mit langer Unterhose herum. Und dann wundert er sich warum er denn Schweissperlen auf der Stirne hat. Der früh einsetzende Gesang der Amseln, aber auch der anderen Singvögel, lässt uns den Frühling hören. Wohl am meisten wird unser Auge im Frühling verwöhnt. Nach den Vorfrühlingsboten, den Winterlingen und Schneeglöckchen beginnt mit den ersten warmen Tagen die Natur zu explodieren. Bäume erhalten wieder ihre Blätter, aus den eingegrabenen Blumenzwiebeln spitzen die Stängel der Narzissen und Tulpen aus der Erde. Der Rasen wird wieder grün und die Natur mit jedem Tag bunter. Und auch die jungen Paare fühlen im Frühling mehr als sonst, was auch hier auf neues Leben schliessen lässt. Frü etwas Schönes, oder?.



Der Februar Schmunzler

Radarfallen schiessen wie Pilze aus dem Boden
darum muss der Autofahrer noch achtsamer sein

 


 

Die heutigen modernen Autos kommen mir vor wie ein Computer auf Rädern und mit Blech und Kunststoff eingepackt. Die Fülle der Funktionen zeigt sich auf dem immer attraktiver gewordenen Armaturenbrett. Nicht nur mehr Funktionen sind angezeigt sondern dessen Handhabung verlangt nicht nur ein hohes technisches Verständnis sondern auch, speziell für die 60plus-Generation gezielte Instruktionen und mehrmaliges Üben. Klar zeigt der Tacho die Fahrgeschwindigkeit an, aber das ist wählbar und digital oder mit den gewohnten Zahlen möglich. Egal ob Ölstand, Reifendruck, Wassermenge, Batterieverbrauch oder Bremsflüssigkeit, alles wird angezeigt und hat auf dem Display ein spezielles Feld und Symbol. Wenn alles dunkel ist und  kein Lämpchen brennt oder blinkt, ja dann ist alles in Ordnung. Allerdings zeigen zwei weitere Lichter an: das Radio läuft und das GPS-System ist eingeschaltet. Im Radio wird soeben angesagt, dass jetzt ein Bericht zum nicht stattgefundenen Waldsterben folgt. Eine positive Reportage, aber wer will das schon hören? Eine Story ohne Sensation und befürchtete Katastrophe. Es wird auf CD-Player umgestellt. Also ein Auge gehört weiterhin der Strasse und das zweite dem Display. CD im Handschuhfach suchen, einlegen, von Radio auf CD umschalten und dann die richtige Lautstärke bestimmen. Aber all das dauerte ja nur wenige Minuten, aber die hätten in einer unvorhergesehenen Situation für einen Unfall gereicht. Also wo sollen die Augen beim Autofahren sein? Auf der Strasse natürlich. Klar, aber wenn jetzt noch das GPS auf ein neues Ziel eingestellt werden soll, dann bleibt wieder nur ein Auge für den Verkehr, manchmal auch für Sekunden gar keins. Nichts passiert, zum Glück und danke. Jetzt stelle ich fest, dass die mobilen Blitzgeräte für die Geschwindigkeitskontrollen enorm zugenommen haben. Irgendein Hersteller verdient sich wiedermal eine goldene Nase, vermutlich wie die Polizeistationen im Kanton, in den Städten und Gemeinden. Und wir Autofahrer sind zusätzlich gefordert wachsam zu sein, nicht nur den Verkehr zu beobachten, sondern jetzt auch die am Strassenrand und oft leicht verdeckt stehenden Blitzkästen zeitig zu entdecken. Stetiges Pendeln der Augen zwischen Strasse, Tacho, bin ich zu schnell, wie viel fahre ich jetzt und den Blitzgeräten am Strassenrand. Na, wenn das kein Risiko darstellt. Ganz schön aufregend dieser neue Sport. Ist diese Blitz- und Bussen-Kontrolle wirklich die einzige und wirkungsvolle Massnahme auf die zu schnell Fahrer und Raser zu reagieren. Ich meine nein, denn diese Blitzkästen sind für die meisten Autofahrer ein Feindbild und dies will bekämpft werden indem man es vor dem Blitzen erkennt. Und dann kann wieder Gas gegeben werden. Eigentlich blöd oder? Aber vielleicht sind ja auch unsere Geschwindigkeitsregeln einmal zu überdenken. Nachts auf leerer Autobahn wäre 150 km und vielleicht noch etwas mehr kaum eine Gefahr oder ein Problem. Auch tagsüber ist der Verkehr zwischen 11 und 14 Uhr viel ruhiger und weniger als vor- bzw. nachher. Und am Sonntagmorgen bis um 12 Uhr sind sie oft völlig alleine auf den Strassen und dann mit 80 über die Landstrasse, na ja, da ist man schnell im Straf- und Bussenbereich, wenn sie von den Blitzautomaten erfasst werden. Unterschiedliche Geschwindigkeiten zu verschiedenen Zeiten oder unterschiedlichen Strassen ist vermutlich nicht die Lösung. Und wenn das wirklich nicht diskutierbar ist, warum dann die Lösung nicht von vorneherein ins Auto einbauen. Es hätte auf dem Display schon noch Platz für einige Knöpfe. Anstatt des Tempomates könnte eine Geschwindigkeitsregelung eingebaut werden, die wie im GPS auf die vorgeschriebenen und angezeigten km reagiert. Wenn 80 vorgeschrieben ist, blockiert der Motor bei 80 und fährt einfach nicht schneller. Langsamer geht immer, wenn es der Verkehr verlangt. Auf der Autobahn ist bei 120 die erlaubte Höchstgeschwindigkeit erreicht und der Motor dreht zurück und beginnt Benzin zu sparen. Also, neu müssten alle Autos diese Geschwindigkeitsgrenze eingebaut haben, die natürlich bei Überschreiten von Landesgrenzen auf die lokalen Vorschriften umprogrammiert werden müssten. Das ginge nach längerem Suchen in der Betriebsanleitung natürlich sehr einfach. Klar würde es einige Jahre gehen bis alle Autos neu aus- und die alten umgerüstet wären, aber auf diese Vereinfachung, die natürlich auch mit mehr Sicherheit zu höheren Kosten führt, kann man schon etwas warten. Warten wir – besser auf Godot. 

 

 

 

 

 

Januar Schmunzler


Wenn es passiert ist, ist es bereits Vergangenheit
und nicht mehr zu ändern

Am schnellsten ist der Augenblick vorbei, d.h. die Gegenwart, das jetzt, der Augenblick ist somit immer kürzer als die Vergangenheit und die Zukunft. Je nach Alter kann die Vergangenheit eine Fülle von erlebten Augenblicken beinhalten. Für die Zukunft ist jede Zeitvorstellung nicht garantiert, sie kann morgen vorbei sein oder sie lässt uns noch viel Zeit für neue Augenblicke. Diese, vielleicht etwas philosophischen Gedanken über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft faszinieren mich schon. Mit der Realität, dass man an der Vergangenheit nichts mehr korrigieren oder ändern kann, haben sicher einige mehr Mühe als andere. Bei mir belegt die Vergangenheit im Gedächtnisspeicher  inzwischen auch den grössten Platz. Hier sind alle die schönen Augenblicke abgelegt, an die ich mich sehr gerne erinnere. Aber auch die zum Leben gehörenden negativen Ereignisse sind schön säuberlich abgelegt, nicht um sich noch einmal zu ärgern, nein um vielleicht daraus Lehren zu ziehen, damit gleiches oder ähnliches nicht noch einmal passiert. Es ist so, vorbei ist vorbei und passiert ist passiert. Alle die das noch nicht ganz begriffen haben, hört man nach jedem Vorfall ausrufen: Hätte ich doch besser auf gepasst oder  warum musste der Idiot auch ohne Blinker abbiegen? Hätte ich doch oder wenn ich, bringt im Nachhinein nichts mehr, ausser man denkt nach dem Abnehmen der ersten Wut in Ruhe über alles noch einmal nach und nimmt sich für die Zukunft ein besseres und konzentrierteres Verhalten in ähnlichen Situationen vor. Das Passierte ist nicht rückgängig zu machen und darum muss die neue Realität mit ihren Folgen und Konsequenzen angenommen werden. Mit einer ehrlichen Akzeptanz ist das Problem schon halb gelöst. Ein weiterer Aspekt ist die nicht zu gebende Antwort auf die Frage: warum gerade ich? Es gibt in keiner Wolke ein Telefon, das man anrufen und fragen könnte. Auf der anderen Seite darf man schon mal darüber nachdenken, was habe ich mit dem Ereignis zu tun? Warum beschäftigt und stört mich dies oder das und warum beschäftige ich mich mit so viel Negativem, das mich in kritischen Situationen ablenken kann. Auch diese Gedanken kommen nicht einfach um mich zu plagen, zu ärgern oder irgendwo rein rasseln zu lassen. Auch ich verursache, ich mache  nichts extra. Auch diese Realität sollte verstanden werden, um zu verhindern, dass daraus Alpträume entstehen. Ein hier da hinter stehender Lernprozess beginn schon in der Erziehung und hört eigentlich nie auf. Wir sassen am Tisch und genossen ein köstliches Geburtstagsessen. Die Weingläser noch gut gefüllt und der Wein diesmal nicht aus dem Sonderangebot. Die Jüngste am Tisch versucht die Schüssel mit dem Rotkraut etwas näher heran zu ziehen um noch einmal Nachzuschöpfen. Der volle Löffel kommt etwas ins Schwanken und berührt ein gefülltes Rotweinglas. Glas fällt, Löffel auch und auf der schönen Tischdecke zeigt sich zweierlei Rot. Ein Aufschrei der Tischrunde, jeder versucht sein Kleid oder die Hose vor dem vom Tisch laufenden Wein zu retten. Es ist passiert, Wein muss nachgeschenkt, Rotkohl mit einem Küchenpapiertuch aufgeputzt werden und das Tischtuch kommt nach dem Essen in den Korb mit schmutziger Wäsche. Eins ist klar, unsere Jüngste hat das mit Sicherheit nicht extra gemacht, es ist passiert und wir würden uns ja nur selbst strafen, wenn  dieser ungewollte Vorfall uns das Fest und das köstliche Essen verderben würde. Nur wenige Minuten nach dem Vorfall war allen klar, im Grunde ist ja wirklich nichts Schlimmes  passiert. Danke für die Einsicht und das Verständnis. Auch ich musste dieses Verhalten lernen, aber es hat sich gelohnt. Und nicht vergessen: passiert ist passiert und extra macht kaum einer etwas.

 

 

der Jahresend-Schmunzler:

Ende 2014 - Weihnachtspäckli - Neujahreswünsche
Danke und Tschüss

Alle Jahre wieder sammeln sich im  Dezember in fast allen Stuben an geheimen Orten die verschiedensten Päckli. Je grösser die Familie ist und wenn dann die Kinder noch klein sind, muss alles schon recht versteckt werden, denn auch ich erinnere mich, wie ich als Kind in der Vorweihnachtszeit nach Päckli suchte. Erfolgreich muss ich nicht gewesen sein, denn ich erinnere mich nur ans Suchen und  nicht ans Finden. Aber vielleicht wollte ich mir die Überraschung ja auch nicht wirklich im Voraus nehmen. Ja, ja die gute alte Weihnachtszeit. Zum Glück gibt es aber nicht  nur an Weihnachten und Geburtstagen Geschenke. Wer mit offenen Augen, Ohren und allen Sinnen durch den Alltag , durch das Leben geht ,erhält täglich eins oder sogar mehrere Geschenke. Die ersten Schneeglöckchen im Januar, eine erblühende Tulpe im Frühling sind doch  wunderschöne Geschenk der Natur oder die weissen Schneeflocken, die als vielfältige Kristalle auf unseren schwarzen Pulli fallen sind doch richtige kleine Kunstwerke, die als Geschenk einfach so vom Himmel fallen. Und wer in seiner Partnerschaft einen friedlichen und harmonischen Tag verbringen durfte, ist doch mehr als beschenkt worden. An dieser Stelle fällt mir eine alte Geschichte wieder ein: Ein Neuengel kommt in den Himmel und  er wird  in den ersten Tagen mit den Gewohnheiten und seinen neuen Räumlichkeiten vertraut gemacht. Schon am ersten Tag kommen sie in einen grossen Raum, der wie ein Lagerhaus aussieht und mit Paketen  der unterschiedlichsten  Grösse gefüllt ist. Der Neuengel fragt: Wem gehören denn all diese Pakete? Ja spricht der Führungsengel, dass sind alles deine Geschenke, die du auf Erden übersehen und nicht angenommen hast. Hieraus entstand mein erster Wunsch an sie: Nehmen sie alle Geschenke, die ihnen das Leben offeriert  an und freuen sie sich darüber, jeden Tag neu, auch über die nicht eingepackten. Kaum sind am zweiten Weihnachtstag die letzten Kerzen am Weihnachtsbaum ausgebrannt, beginnt man schon mit dem Sortieren der Neujahrswünsche.  Wenn früher Briefe und Postkarten mit vorgedruckten Texten vorherrschten, sind es heute die Mails und SMS-Botschaften, die durch den Äther zu uns in die Stube drängen. Immer am Jahreswechsel zweifel ich, ob die heutige Kommunikationsform wirklich im Privatleben ein  Segen und Vorteil ist. Wenn ich früher handgeschriebene und persönliche Wünsche auf schönem Briefpapier erhielt, dann wusste ich, dass sich der Absender doch während einigen Minuten mit mir beschäftigt hat. Das war ein gutes Gefühl. Heute in der Kurzform, wenig Worte manchmal mit viel Fehler (Flüchtigkeitsfehler) per Mail oder SMS getippt, ist einfach nicht das Gleiche – aber es ist die heutige Zeit. Darum wünsche ich Ihnen zweitens, dass sie auch mit den modernen Medien viele liebe und persönliche Neujahreswünsche erhalten. Und wenn alle guten Dinge Ende 2014 drei sind, dann möchte ich ihnen heute, liebe Stadileserinnen und -Leser für ihre langjährige Treue danken. In sieben Jahren durfte ich 350 Kolumnen schreiben. Mir hat das Schreiben viel Freude bereitet und aus vielen Reaktionen konnte ich schliessen, dass ihnen das Lesen auch Freude und ein leichtes Schmunzeln gebracht hat. Es war eine lange und schöne Zeit und weil diese Kolumne  jetzt die Letzte ist, geht mein Dank natürlich auch an die Redaktionsleitung und das ganze Staditeam. Es war schön, spannend und kreativ mit euch. Das war`s dann und ich wünsche allen auch für 2015 viele persönliche und interessante Alltagsgeschichten – und natürlich auch einige zum Schmunzeln. Und hier mein letzter Tipp:
Auf meiner Homepage
www.Klaus-ruthenbeck.ch finden sie auch in Zukunft noch einige neue
Schmunzel-Geschichten.

                                                                                                         


der Herbst-Schmunzler

 

 

Warum Männer immer länger auf der Brille sitzen

 

 

 

 

Normal sind die WC-Brillen weiss, nicht gepolstert, manchmal auch farbig aber im Grunde wirklich nicht bequem. Sie sind für die Verrichtung wichtiger menschlicher Geschäfte konzipiert. Für die grossen und kleinen Geschäfte, die gemäss neuen kleinen Hinweisetiketten jetzt auch von Männern sitzend verrichtet werden sollen. Richtig, ich spreche vom WC, Klo, Toilette – eben von einem stillen Örtchen. Normal findet man an diesem Ort nur eine Sorte Papier, eben das WC-Papier, das wichtigste für diesen Ort. An einigen stillen Örtchen, eigentlich bei all unseren Bekannten, wurde inzwischen eine kleine Auswahl an Büchern ausgelegt. Bei den meisten sind es Witzbüchlein, alle harmlos und über der Gürtellinie, mehrmals gesehen Doktorwitze, aber auch nicht frivol oder anrüchig. Im zweiten Rang folgen die Büchlein mit Aussagen und Sprüchen von den Weisen dieser und der vorherigen Welt. Lesenswert die fernöstlichen Worte über das Leben, die Liebe das Leiden und die denkbaren und möglichen Wege aus einem Dunkel ins Licht. An dritter Stelle findet man Worte oder Wortphrasen von Politikern. Auch kleine Bildbände liegen auf, die nett zum Durchblättern sind und keinen Leseaufwand bedeuten. Ja, so verlief bis jetzt mehrheitlich das Klo-Leben, natürlich nur das kulturelle auf der Brille. Klar ist auch, dass die einen mehr Mühe haben ihre Geschäfte erfolgreich abzuschliessen als die anderen, die wiederum mehr Mühe haben die Brillenschüssel anschliessend wieder sauber zu kriegen. Aber zum Glück gibt es diese mehr oder weniger stillen Orte heute überall. Das war nicht immer so. Es war im ersten Nachkriegsjahr, ich war fünf und hatte einen hartnäckigen Husten, der mir einen Genesungsaufenthalt mit täglich mehreren Rundgängen um eine Salzsaline einbrachte. Aber eben, es war Nachkriegszeit im Norden Deutschlands und in dem Heim bestand das Klo aus einer kleinen wackeligen Holzhütte. Papier gab es auch keines, es sei denn man ergatterte eine Zeitung und zerriss die in kleine popofreundliche Blättchen. Fand man keine Zeitung, wurden grössere Baumblätter gesucht und verwendet. Bei diesem Rückblick macht es doch richtig Freude die heutigen stillen Örtchen aufzusuchen. Der Name stilles Örtchen sagt schon, dass man hier seine Ruhe hat oder finden kann. Und diese Ruhe nutzen wir Männer, so stellten wir letzten in einer gemütlichen Rotweinrunde fest, immer öfter um hier in Ruhe Zeitung lesen zu können. Speziell am Sonntag, wenn die Sonntagsausgaben der einschlägigen Zeitungen beschafft wurden, ziehen sich die meisten, na ja vielleicht auch nur viele Männer auf die Brille zurück, täuschen den So-Mo-Schi (Sonntagmorgenschiss) vor und wollen in Ruhe die neuesten Schlagzeilen lesen. Dass dies nicht nur im Wohnzimmersessel stattfindet hängt auch von den Fragen und Diskussionsbedürfnissen der Partnerin ab. Das mag eine Entschuldigung oder Erklärung sein. Ein anderer ist, dass in den Zeitungen mehrheitlich über Krieg, Unfriede, Trennungen, Morde und Verurteilungen berichtet wird und kaum schöne aufbauende Geschichten vorkommen. Die Gruselgeschichten passen dann auch wirklich besser aufs Klo, wo man den Dreck mit einem Knopfdruck runter spülen kann. Und wenn es auf der Brille ganz ruhig ist und kein Papier raschelt, dann vergnügt sich Herr Handybesitzer mit diesem kleinen Spielzeug, das auch ein Tablett sein kann. Hier kann er in Ruhe rumtöckeln und seine neuesten mails, sms und Whatsups abrufen und sogar dank neuester Technik sofort beantworten. Auch kleinere Ausflüge ins Internet sind möglich. Wenn ich gefragt werde, warum es wieder so lange ging, dann gibt es einen ganz ein fachen Grund: ich lösche alte Protokolle und aktualisiere meine Kontakte. Der Vorteil dieser Aufarbeitungen im WC ist, dass man nicht im Beisein anderer an diesem Gerät rumspielen muss. Das kann man auch anders sehen, wer nicht immer so ein flaches Teil in der Hand hat und rumspielt gilt als alt und n icht auf dem neuesten Stand der Kommunikationstechnik. Bei diesem Satz darf man ruhig anderer Meinung sein. Im Grunde bin ich das auch und bin immer wieder froh, wenn ich das Aufsuchen des Ortes mit den zwei Buchstaben erfolgreich und erleichtert wieder verlassen kann.




im September 2014



Zufriedenheit, ein lohnendes aber fast nicht erreichbares Ziel,     oder doch?

 

 

Als ich vor einiger Zeit von meinen Wagen der oberen Mittelklasse  auf einen sehr viel kleineren umstieg, fragte mich der Verkäufer mit ungläubigen Augen: Sind sie sicher, ihr grosser passte doch sehr gut zu ihnen, ich könnte mir auch das Flaggschiff dieser Marke für sie vorstellen. Ich sagte nur, das ist schon ok für mich, aber ich spürte dass meistens mit jedem Kauf das nächst grössere Modell gekauft wird. Die Mehrheit will aufsteigen und sich nicht verkleinern. Kann das eine Folge der immer schneller drehenden Unzufriedenheitsspirale sein. Kaum hat man endlich die nächste Grösse, denkt man schon wieder an das neue Modell mit noch mehr PS. Ähnlich verlaufen bei vielen die Ferienplanungen ab. War es im letzten Jahr ein Top-Well-ness-Hotel mit vier Sternen, aber ausgerüstet mit eigentlich allem, was erholsame Ferien  von verwöhnten Ferienbuchenden  ausmacht. Jetzt muss es ein 5-Sterne Kasten sein, denn für den Preis ist die Zufriedenheit doch sicher inbegriffen. Während meiner Berufszeit habe ich auch manchmal ein paar Tage in diesen Wellness-oasen ausgespannt. Ich fand das immer ganz toll und relaxend, erinnere mich aber auch an Diskussionen beim Aperitiv oder beim Absacker an der Bar, die mir die grosse Zufriedenheitssehnsucht deutlich machte. Ein Super 4- oder 5-Gang-Menue mit den Köstlichkeiten dieser Welt, egal ob Fleisch, Fisch oder vegetarisch, man konnte immer wählen, wurde mit der Bemerkung kommentiert: Na ja, den Fisch hatten wir in Nizza aber geschmackvoller gegessen und die Vorspeise, auf die hätte man auch verzichten können. Und bei der eher bescheidenen Weinkarte hat man die wenigen guten Tropfen in der ersten Woche bereits durchprobiert. Aus den Worten und den matten Augen spürte man eine teuer bezahlte Unzufriedenheit, die man ja eigentlich in den Ferien gar nicht wollte. Darum, verständlich oder auch nicht, wird jetzt das Internet und die einschlägigen Kataloge nach den 5-Stern Häusern abgesucht. Am Geld fehlt es ja nicht, das Konto lässt eigentlich jede Luxussteigerung zu. Die Zufriedenheit darf schon was kosten, oder? Doch mit Geld und immer mehr ist dieses Glück nicht zu kaufen. Ich sehe die Zufriedenheit Suchenden schon in ihrem Hotel, das mit den grössten Erwartungen gebucht wurde. Die Handtuchfarbe passt ihnen nicht. Dieses grau ist ja fürchterlich. Kaum ist diese Feststellung mit den Mitsuchenden im Hotel ausgetauscht, findet man gemeinsam den Bademeister nicht sympatisch, weil er sich nur um die Grosstrinkgeldgeber kümmert und das Wasser hat auch nicht die im Prospekt angegebene Temperatur. Mit diesem Herumkritisieren, nein besser Rumgemotze wird aus den für das Abendessen aufgeschminkten Gesichtern und den ins Dinnerjacket gestiegenen Herren eigentlich ein grosser Kreis von unglücklichen Stimmungskillern. Die beste Gesichtscreme konnte die herunter hängenden Mundwinkel nicht hochziehen. Kein Smili, man isst, plaudert. trinkt aber die Unzufriedenheit im Gesicht ist unverkennbar. Vielleicht würden hier ein oder zwei Glas Wein helfen, man vergisst das überbezahlte Arrangement, das die Unzufriedenheit förderte anstatt die erhoffte Zufriedenheit brachte. Es ist eine verrückte Spirale. Wer mit dem was er hat, nicht gelernt hat, zufrieden zu sein, lebt am Glück vorbei. Jetzt höre ich diejenigen, die argumentieren, dass Unzufriedenheit die Triebfeder für Neues, Besseres und Mehr ist. Stimmt das wirklich? Nein, denn in vielen Führungsseminaren wurde uns eingeimpft, dass nur zufriedene und glückliche Mitarbeiter erfolgreich arbeiten können. Na also, es ist doch wichtig, dass wir die Unzufriedenheitsspirale stoppen und mit dem Istzustand zufrieden sind, und trotzdem an Morgen und Neues glauben. Achten sie mal darauf, ob aus den teuersten Autos glückliche Gesichter heraus lachen oder ob in den Kleineren die strahlenden Augen sitzen (dankbar und zufrieden ein Auto zu besitzen). Von Indien hörte ich, dass die grosse Bevölkerungsmehrheit sehr arm ist, kein Auto besitzt, bestenfalls ein Velo,  aber immer mit einem  glücklichen , zufriedenen und strahlenden Lächeln durch  den Tag geht. Je grösser das Auto je unglücklicher und sorgenvoller sehen die Besitzer aus, auch in Indien. Ich weiss, es gibt Ausnahmen, sie sind sicher eine mit einer  grossen Karosse. Letztens hörte ich, dass die grossen Wagen dunkle Scheiben haben, damit man die unzufriedenen Gesichter nicht sieht. Na, ja.


im August 2014

Es ist noch viel zu tun, packen wir es an, aber was?

 

 

Wie oft, vermutlich so oft wie sie, höre ich die Worte: Man sollte doch oder: Es ist noch so viel zu tun. Im Grunde ist das ja auch alles völlig richtig, denn man sollte etwas für die Kinder tun, man sollte etwas für die Gesundheit tun,  man sollte etwas für die Natur und Umwelt tun, man sollte etwas für den Energiewechsel tun. Man sollte aber auch etwas für die Freundschaften tun und man sollte etwas für die Beziehung tun, für das Letztere meistens sogar noch etwas mehr. Bis jetzt, kann ich mir vorstellen, fühlt sich noch keiner angesprochen, denn unklar ist wer der man ist der etwas tun sollte. Aber eigentlich ist das doch ganz klar. Ich bin der man, du bist der man, sie sind der man. Ja, ich bin sicher, jeder hat schon diese Gedanken gehabt, man sollte. Aber was und wann mit wie viel Zeit- und Geldaufwand? Wir sollten was für die Kinder tun. In dieses Tun kann fast alles reingepackt werden, denn alle Eltern wollen ohne Einschränkung, dass es den Kindern heute, morgen und in Zukunft gut geht. Sie sollen in einer echten und nicht überfremdeten Schweiz gross werden, Sie sollen in gesunder Luft leben können, darum müssen die Atomkraftwerke abgestellt werden. Sie sollen Arbeit und Brot verdienen und sich irgendwann auch auf die finanziell gesicherte Pension freuen dürfen. Sie sollen ohne Ängste und in Frieden aufwachsen, sie sollen es im Leben schön haben. Gute Eltern haben diese Vorstellungen, schlechte natürlich auch, aber vielleicht formulieren sie all diese Wünsche etwas anders oder haben, bedingt durch ihren Beruf, einfach zu wenig Zeit, um all das für die Kinder zu tun. Für was setze ich mich ein, für was trete ich im Leben an? Eine im Grunde sehr schwierige Frage, alles ist wichtig, alles geht aber nicht, wo setze ich meine Priorität. Oft höre ich: Wenn du was verändern willst, muss du in die Politik gehen, da kannst du an den Stellschrauben drehen. Na ja, bevor man an den wichtigen Schrauben drehen kann, dreht man vermutlich selber durch, denn die Veränderungsmühlen drehen mehr als langsam und der persönliche Einfluss ist auch mehr als bescheiden und klein. Hinzu kommt, dass auch Politiker keine Wunderkinder sind und nicht die Fähigkeiten haben, alles zu können, alles zu wissen um sich für alles gleich kompetent einzusetzen. Man sollte was für die Gesundheit tun. Ich habe mal alle Empfehlungen notiert, die mir nach konsequenter Anwendung einen Erfolg garantieren, wer es dann glaubt. Morgens zehn Minuten Gymnastik auf dem Boden und  dann 10 Minuten für spezielle Körperteile. Anschliessend 5-10 Minuten Kopfhautmassage. Körpercreme auf alle Stellen, braucht dann nur 5 Minuten, die Antifaltencreme für das Gesicht sorgfältig einmassieren braucht schon etwas länger. Für den Rest vom Tag wird noch etwas Velofahren und mindestens ein kleiner Spaziergang von 30 Minuten empfohlen. Wer all dies so oder ähnlich durchzieht, dem gratuliere ich, aber wenn ich ehrlich bin, mir ist noch keiner dieser Superengagierten begegnet. Aber vielleicht verkehre ich ja in den falschen Kreisen. Auch ich bin für eine gesunde Natur und Umwelt. Ich trenne den Abfall, benutze keine Schneckenkörner und spritze die Rosen mit einem Naturprodukt. Auch ich bin gegen Atomstrom, möchte aber, dass meine Steckdose in der Wand nach wie vor Strom liefert. Und für die meisten soll der neue Strom dann noch günstiger sein als der heutige mit einem Anteil aus den Atomkraftwerken. Ja man sollte. Egal in welchem Alter haben die Meisten von uns genug mit ihren Beziehungen zu tun. Als Single hast du in der Regel viele kleine Probleme, als Paar hast du dafür ein grosses. Darum sollte man auch hier etwas dafür tun, das die kleinen Probleme nicht mehr werden und das grosse mit den Jahren nicht ganz aus dem Ruder in die Trennung führt. Man ist beschäftigt, auch noch mit 60plus.



im Juli 2014

In diesem Jahr hätte der Regenanimateur viel zu tun

 Mit wem man auch spricht, jeder hat zum diesjährigen Juli-, sprich Ferien-Wetter etwas zu sagen. Und alle Kommentare haben eine Grundaussage gemeinsam: So schlecht und mit so viel Regen war der Juli noch nie. Ohne die Statistiken der Wetterfrösche zu bemühen, haben die Wettergeschädigten schon irgendwie recht. Regen, Wasser, überlaufende Bäche und Flüsse, Seen treten über die Ufer und Bergrutsche versperren Strassen und Schienen. Viele Keller voller Wasser und Dreck. Alle Medien haben ihre Themen in der normalerweise ruhigen Ferienzeit. Aber es traf nicht nur den Juli, sondern für viele Familien und Kinder auch den Schwerpunkt ihrer Ferienzeit. Viele oder die meisten buchen ihre Ferienhotels oder die Campingplätze lange im Voraus und, wer keine Rücktrittskosten zahlen will, fährt los, die einen noch ohne, die anderen schon im Regen. Und jetzt, was macht man mit den Regentagen? Die Frage stellt sich für alle, egal ob man mit Kindern oder zu Zweit in die Ferien gefahren ist. Die wenigsten Probleme haben natürlich die Jungverliebten oder frisch verheirateten. Sie müssen nicht in die Badi, nicht in die Berge , nicht ins Museum und nicht auf eine Frühstücksfahrt auf dem nahegelegenen See. Sie dürfen einfach liegen bleiben und die Wärme in den Kissen geniessen. Ihrer Liebe und Freude tut der Regen kein Abbruch. Aber alle anderen, wie gehen auch die mit dem Ferienregen um? Vielleicht gibt es in ihrem Dorf, in ihrer Campinganlage oder in ihrem Hotel einen Regenanimateur, der auf Regen und schlechtes Wetter vorbereitet ist. Klar, bei klassischem Sommer- und Sonnen-Wetter kennt man diese Vorturner und Anmacher für die verschiedensten Wasserspiele oder Malkurse kleinerer Kinder. Aber jetzt kommt die Herausforderung für die Regentage. Vielleicht sind die Freizeit gestressten jungen Damen und Männer ja froh, mal nicht auf die Matte zu müssen und freuen sich über die Ruhetage, im Gegensatz zu den Feriengästen. Wenn jetzt aber eine Animationscrew auf die Regentage vorbereitet ist, kann das sogar zu einem Erfolgsfaktor für die Ferienanlage und ihre Gäste werden. Aber was könnte denn in diesen neuen bad-wether-events angeboten werden. Denkbar wäre, die Umgebung, zum Beispiel den nahen Wald, zum Regenwald zu erklären und, ausgerüstet mit Gummistiefeln, den Wald und seine Bewohner im Regen zu erkunden. Fachkundig könnte erklärt werden, warum die Wassertropfen auf der einen Blattart als kleine Wasserkugeln hängen bleiben und auf anderen einfach nicht oder wie an einigen Waldstellen das Wasser schnell im Boden einzieht und an anderen Stellen sich sofort kleine Waldseen bilden. Auch die Feststellung, dass den meisten Tieren, ungeachtet ob mit Federn, Pelz oder glattem Fell ausgestattet, das Regenwasser gar keinen Eindruck macht und sie ungestört weiter ihrer Futtersuche nachgehen. Besucht und besichtigt werden könnten auch Landwirtschaftsbetriebe in der Gegend und der Bauer oder die Bäuerin hätten sicher viel zu erzählen, wie gut der Regen sein kann aber auch wie er der Ernte bei zu viel unkontrollierter Bewässerung von oben schaden kann. Ich bin sicher, so ein Besuch würde mit einer deftigen Brotzeit abgeschlossen. Vielleicht können auch die hiesige Feuerwehr- oder die Wasserschutzverantwortlichen mal eingeladen werden um zu erklären oder sogar vor Ort zu demonstrieren, wie sie sich auf die anhaltenden starken Regenfälle vorbereitet haben. Klar braucht es für die Exkursionen Gummistiefel, aber die sind bei einmaliger Anschaffung jeden Tag wieder neu verleihbar und vielleicht sogar im Preis der Regenevents eingeschlossen. Mit Kindern könnten Regendörfer gebaut werden, natürlich nur mit Materialien aus der Natur. Auch früher hat man schon dichte Dächer bauen können. Alle diese Aktivitäten und noch viele mehr können aus Regentagen tolle Erlebnisferien machen , auch wenn man dabei nicht braun wird. Na ja, sollte irgendwo  in einem gediegenen Wellness Park noch eine gut bezahlte Stelle als bad-wether-animateur frei sein, warum nicht, meine mailadresse ist ja bekannt.


im Juni 2014

 

Auch Naturfreunde tun sich nicht immer leicht bei ihren

 

 

Entscheidungen

 

Eigentlich kenne ich keinen, der nicht die Natur liebt und Freude beim Anblick von Tieren, Bäumen und Pflanzen hat. Natürlich bezieht sich diese Freude mehrheitlich auf den eigenen Hund oder die Hauskatze sowie auf die Schnittblumen auf dem Tisch oder einige Topfpflanzen auf dem Balkon. Der Hund wird dressiert resp. erzogen und Gassi geführt. Mit der Katze wird geschmust und nicht selten im gleichen Bett geschlafen. Den Pflanzen wird Wasser gegeben und der schöne Tischstrauss, wenn er  verblüht ist, entsorgt. Langt das wirklich um ein Freund der Natur zu sein? Vielleicht für den Anfang. Aber wenn man mal im Internet nachliest und sich dann noch vorstellt wie gross die Tierwelt auf und in der Erde, im Wasser oder in der Luft ist, dann staunen die Meisten und können die enorme Vielfalt fast nicht glauben. Auch die Menge der Pflanzensorten und Bäume ist kaum zu beschreiben. Bei dieser nicht vorstellbaren Menge und Fülle an lebenden Wesen in der Natur werden Berichte über aussterbende Pflanzen und Tiere zu schnell mit der Bemerkung: Was solls, es hat ja genug, abgetan. Ein echter Naturfreund würde bei dieser Gleichgültigkeit die Kriese kriegen. Aber auch die ganz echten Freunde der Natur werden nicht selten und ich meine sogar, immer mehr vor Gewissensentscheidungen gestellt. Wir essen selbstverständlich unser Fleisch und nehmen die Schlachtung tausender kleiner und grosser Tiere in Kauf. Die geliebte Katze jagt den Vogel, auch die schönen und bunten, und geniesst ihren Festschmaus, wie wir das Fleisch. Initiativen wollen jetzt die Anzahl Katzen reduzieren, um die Vögel zu retten. Na ja, manchmal kann Naturfreude auch grotesk daher kommen. Was soll denn im Zweifelsfall geschützt werden. Den eigenen Salat im Garten schätze nicht nur ich, sondern die Schnecken vielleicht noch mehr. Die Pflanze Salat oder das Tier Schnecke schützen. Für die meisten ist völlig klar. Ohne Schneckenkörner und die Vernichtung der Schnecken kein Salat. Ist das richtig und wie würde der wahre Naturfreund entscheiden. In einem unserer Gartenbäume haben Amseln ihr Nest gebaut. Katzen der Nachbarschaft haben das natürlich sofort ausgeschnuppert und sitzen unter dem Baum und studieren wie sie in den Baum und an das Nest kommen. Dank einem montierten Fangnetz bleibt es beim sehnsuchtsvollen Hochschauen zum Amselnest. Bin ich jetzt ein schlechter Naturfreund, der den Katzen ihre Nahrung entzieht, nur weil ich die Amseln und ihren Gesang sehr gerne habe. Wenn dann gegen Ende Juli der Amselgesang aufhört, es auch sommerlich warm wird und alles Fliegende, gross und klein, uns beginnt zu umschwirren, dann frag ich mich schon: Soll ich die Fliegenklappe aktivieren und den mehrheitlich nachts um mich herum surrenden Schnaken und Mücken zu Leibe rücken und die Wände mit Insektenleichen tapezieren? Der Stärkere wäre ich ja, aber hat nicht jedes Lebewesen ein Recht auf sein Leben. Zugegeben, das sind nicht immer die leichtesten Entscheidungen. Dunkle Flecken auf der Tapete oder juckende Flecken am ganzen Körper. Wie werden sie entscheiden? Ohne mehrmals die Sträucher, Blumen und Gemüsepflanzen, resp. Obstbäume zu spritzen und zu düngen, wächst nichts und kann auch nichts geerntet werden. Auch hiervon sind die meisten überzeugt und fast alle wissen auch, dass im Dünger oder Spritzmittel in der Regel nichts natürliches oder gutes ist und eine grossen Anzahl Kleintiere damit vernichtet werden. Wenn sich bei Rind, Huhn oder Fisch immer mehr Rückstände auf chemische Zusätze im Futter oder Wasser nachweisen lassen, dann hat sich die Natur vielleicht jetzt entschieden uns Menschen etwas heimzuzahlen. Noch merken wir die schleichenden Vergiftungen nicht, aber irgendwann beginnt es zu wirken, wie bei den Tieren und Pflanzen, das eine wächst und das andere stirbt. Ja, Naturfreunde haben es nicht leicht, aber ich glaube daran, dass alle Freunde der Natur, auch du und ich, eine neue persönliche Einstellung zu unserer Natur finden werden.

im Mai 2014

Auch Lamas leben mit Vorurteilen 

 

 

Das erste Lama oder ein Alpaka sah ich als Kind im Zoo. Ich erinnere mich noch gut, dass ich wie folgt gewarnt wurde: Geh nicht zu nah ran, denn die spucken. Klar wollte ich nicht bespuckt werden und blieb auf sicherer Distanz. Weil es damals noch nicht so viele Lamas in der Schweiz und Europa gab, war es eine Besonderheit dieses kamelähnliche Tier sehen zu können, wenn auch auf Spuckdistanz. Heute leben in der Schweiz inzwischen  mehrere Hundert Lamas, die ihre ursprüngliche Heimat in Südamerika haben. Bei uns findet man immer öfter Höfe, auf denen Lamas gehalten und inzwischen auch schon gezüchtet werden. Lamas sind Herdentiere und fühlen sich in der Gruppe wohl. Einmal im Jahr werden sie geschoren und die daraus gewonnene Lamaschur zur Wolle verarbeitet. Immer mehr Oeko- und Naturfreunde tragen heute schon die etwas groben und rauen Strickjacken, aber ein richtiges Geschäft ist es noch lange nicht. Seit einigen Jahren gibt es auch bei uns ganz in der Nähe einen Lamahof. 16 Tiere leben hier und können sich auf einer grossen Wiese, da sie Grasfresser sind,  mit idealem Auslauf ihr Futter suchen. Bei unseren Spaziergängen durch die nahe, aber wunderschöne Umgebung, kommen wir oft an der Wiese mit den Lamas vorbei. Inzwischen haben wir das Gefühl, die Tiere kennen uns, denn sobald wir uns nähern kommen sie immer öfter langsam auf uns zu und begrüssen uns am Zaun. Meistens reissen wir mehrere Grasbüschel aus und füttern die in der ersten Reihe stehenden Tiere. Wir legen das Gras auf die Hand und die Lamas holen es dann ganz vorsichtig und schlabbern es vor uns rein. Ja, diese Lamas fressen uns aus der Hand und dabei spürt man dann die samtweiche fellige Haut rund um den Mund. Wir geniessen diese kurzen Berührungen und staunen, dass noch nicht einmal ein Lama gespuckt hat. Wenn Lamas spucken, dann nur, was immer der Auslöser hierfür ist, auf ihre Artgenossen und nie auf Menschen. Auch das haben wir erst mit der Zeit herausgefunden und als Bestätigung im Internet bestätigt gefunden. Aber für viele gilt dieses Vorurteil wohl immer noch. Das ist wie bei uns Menschen auch. Man denkt doch sofort, wenn man einen verwahrlosten Penner auf der Parkbank sieht, der ist gefährlich, grossen Bogen machen und reden kann man mit dem sowieso nicht, denn sein Wortschatz besteht eh bloss aus Wein, Bier und Wodka. Dieses Vorurteil ist leicht zu verteidigen, denn das äussere Erscheinungsbild  bestätigt doch ohne Worte unser Vorurteil gegenüber diesen Menschen. Aber das ist in Wirklichkeit nicht immer so. Es gibt hierzu auch andere Erfahrungen. Oft blickt man beim Näherkommen völlig verwundert in offene und klare Augen und erkennt hinter dem verwuschelten Bartkopf ein pfiffiges Lächeln. Und wenn es gelingt ins Gespräch zu kommen, ist man oft überrascht, was auch diese Menschen wissen und was sie bewegt. Fast nie hört man ein Klagen oder eine Schuldzuweisung an die bösen Menschen die für ihren Zustand verantwortlich sind. Eigentlich waren diese Gespräche immer besser als erwartet und natürlich gab es am Schluss einen Verpflegungsbetrag, nur wurde der nicht in bar ausbezahlt, sondern wir gingen zusammen in einen Markt und kauften Brot, Käse, Wurst und natürlich auch eine Flasche Wein. Ja die Vorurteile haben schon eine Macht. Dass die Südländer und Franzosen die besseren Liebhaber sind als wir, gibt schon zu denken und kann schon frustierende Gedanken aufkommen lassen. Leider kann ich diese Vorurteile nicht prüfen oder widerlegen, da wäre dann schon die Damenwelt gefordert. Aber es müssen ja nicht alle Vorurteile widerlegt werden. So glauben viele weiterhin, dass derjenige, der am meisten Geld hat auch der Geizigste ist und sich lieber am Stammtisch aushalten lässt als selbst mal eine Runde zu bezahlen. Im Grunde sind Vorurteile schlecht und viele kämen ohne noch besser durchs Leben, nur den Lamas ist es völlig egal ob die Menschen glauben sie seien hinterhältige Spucker.




im April 2014
 
eine bunte Frühlingsvielfalt leuchtet aus allen Gärten

 

Es ist immer wieder ein schönes und aufstellendes Erlebnis, wenn man einen Spaziergang durch die Dorfstrassen unseres, aber auch der benachbarten Dörfer macht. Die Blüten-  und Blumenvielfalt , die sich überall zeigt, ist schon beeindruckend. Vielleicht kommt einem das nach den oft  trostlosen und trüben Herbst- und Wintertagen auch nur so vor. In den älteren Gärten fallen speziell die vielen und sich seit Jahren immer vermehrenden bunten Krokusse und die büschelweise auftretenden Schneeglöckchen auf. Schon bald sieht man dann auch die Primeli und nicht nur die neu gekauften. Die meisten vom letzten Jahr, nachdem sie verblüht waren, hat man in den Gärten an Beeträndern eingepflanzt. In den Töpfen waren sie knallrot, blau oder orange, über den Winter haben sie unter der Erde ihre Farbe gewechselt. Alle die farbigen blühen im Frühjahr als weiss und manchmal auch als lila oder zartgelbes Primeli weiter. Das ist die Natur. Ich staune immer wieder, was die Gartenerde über den Winter so alles versteckt, gut hütet und im Frühjahr wieder  frei gibt. Wunderschöne gelbe Osterglocken und dann schon bald die Tulpen in allen Farben verwöhnen unsere Augen beim Blick über den Gartenzaun. Je näher wir dem März und April kommen, erleben wir die ersten Sträucher und Bäume, die uns ihre Blütenpracht zeigen wollen. Forsythia, gelb und in jedem Garten ist schon ein toller Frühlingsblüher, der allerdings weiss, dass er je nach Wetter so gegen Ende März durch die japanische Zierkirsche oder die verschiedenen Sorten der Magnolien mit ihren grossen rosa, lila und weissen Blüten abgelöst wird. Schön sind alle diese Büsche und die rosa Blütenpracht der japanische Zierkirsche, die  zusätzlich noch ein Eldorado für Insekten und speziell für Bienen ist. In warmen Frühlingstagen kann man das Herausspitzen neuer Blumen und Pflanzen täglich fast in Zentimetern verfolgen. Unglaublich was der Boden und die Wärme  in welcher Geschwindigkeit frei gibt und ans Licht der Sonne treibt. Ja diese aufgehende Natur macht schon einen sehr wesentlichen Teil des Frühlings aus. Wenn man sich die Zeit nimmt, diese immer bunter werden Gärten anzusehen, dann geht vielleicht etwas von der Kraft des treibenden Frühlings auch auf uns Menschen über. Meistens spricht man jedoch eher über Frühjahrsmüdigkeit, die den Winterschlaf ablöst als über Frühlings-Erwachen. Die ersten warmen Sonnenstrahlen, das wieder helle Licht und die länger werdenden Tage sind schon Aufsteller für unseren Alltag. Beim Blick in die  bunten Gärten wundert mich nicht, dass alle einschlägigen Reise- und Bus-Unternehmen Fahrten in die Blumenparadiese anbieten. Tulpenblühte auf der Insel Mainau, einmalig schön. Und wer alle die Naturgärten in der Schweiz schon gesehen hat, den zieht es alle paar Jahre nach Holland, in das wohl grösste Tulpenparadies. Aber das muss man schon genau planen, denn schon oft hörte ich, dass man zwei Wochen zu spät da war und alles bereits verblüht war. Auch zu früh ist schlecht, denn die noch geschlossenen Knospen lassen die Farbenpracht nur erahnen. Als Frustkompensation haben viele dann als Erinnerung einen Holländischen Goudakäse heimgenommen. Eigentlich mehr als unverständlich, weil es den besten Käse doch wohl bei uns gibt. Aber im Frust passiert manchmal Unkontrolliertes. Wer auf die vielen tausend Tulpen in den grossen Blumenparks verzichten kann, wird durch die individuellen, aber mit viel Liebe angepflanzten Beete in den Dorf-Privat-Gärten mehr als entschädigt. Viele dekorieren ihre Sitzplätze oder Wege noch zusätzlich mit schönen wie grossen Blumentrögen. Ideale Orte für die Vielfalt der Stiefmütterchen. Bis heute kannte ich die klassischen mit den grossen Blüten, die regelmässig von den verblühten befreit werden wollen. Dann gibt es aber auch seit Jahren Stiefmütterchen mit kleinen Blüten. Diese müssen nicht gezupft werden und sind somit  weniger arbeitsintensiv.  Ganz neu hörte ich, dass es jetzt auch Stiefmütterchen gibt die aus den Töpfen heraus ranken. Klar haben auch wir diese neue Sorte jetzt erstmals eingepflanzt und warten auf den Klettereffekt. Na ja, was die Züchtungen so alles herausfinden. Dorfgärten, speziell ältere sind schon eine Augenweide und sicher so schön wie die künstlich angelegten Blumenparks.  Ich hoffe nur, dass diese Kolumne nicht falsch verstanden wird, indem an den Zäunen jetzt eine kleine Kasse angebracht wird mit dem Hinweis: Danke für ihre Spende, hierfür kaufen wir neue Blumenzwiebeln.. Einige könnten ja die Kasse verwenden, die im Sommer aufgestellt wird, wenn man z.B.  die Sonnenblumen selber schneiden und den Preis pro Blume ins Kässeli legen kann. Aber noch erfreue ich mich an der bunten Blumen-  und Sträucherwelt des Frühlings.

im März 2014

 

Dinner in einer natürlichen Baum-Kathedrale

 

Die einen mögen Bäume, dazu gehöre ich. Für andere sind Bäume Schattenspender, Blätter- und Nadelabwerfer und im Wald machen sie vielen Angst, speziell dann wenn es dämmert oder schon dunkel ist. Für die Baumliebhaber aber auch für die Baumgegner ist jedoch klar, Bäume sind für den Ökologischen Haushalt lebenswichtig. Und natürlich sind auch beide Gruppen gegen die kommerzielle Ausbeute z.B. der Regenwälder und gegen den gnadenlosen Kahlschlag um kurzfristige Millionen zu realisieren. Zu und über Bäume gibt es eine Fülle an Geschichten und jeder von uns hat sicher auch ganz spezielle Erinnerungen an einen oder mehrere Bäume. Mir kam jetzt wieder ein ganz spezielles Erlebnis in den Sinn. Ich lief durch einen, eigentlich dichten, Mischwald. Mehr Laubbäume als Nadelhölzer, aber alles schon sehr alte und daher auch sehr hohe Bäume. Es war früh im Frühjahr und noch hatten alle Bäume nicht ihr prachtvolles Blattwerk. Das Wetter war ebenfalls frühlingshaft, lockere  Wolkenfelder zogen am Himmel vorbei und wurden zwischendurch immer wieder von den ersten warmen Sonnenstrahlen durchbrochen. Nach einiger Zeit stand ich plötzlich auf einer festlich beleuchteten Lichtung. Wie etwas erschrocken schaute ich nach oben und sah die Sonne und ihre Strahlen, die durch die langsam grün werden Baumgipfel in die Lichtung schienen. Sehr hohe Bäume, wie Säulen, die oben mit den Nachbarbäumen verbunden schienen, als würden sie die Astdecke gemeinsam tragen. Es wirkte auf mich, wie eine Naturkathedrale. Ich stand lange in der Baumkathedrale und ging meinen Gedanken nach. Nach einiger Zeit tauchte ein Feriendinner, das meine Frau und ich  auf einer Palmeninsel mal vor Jahren geniessen durften. Hier unter wunderschönen hohen Palmen tauchte der Gedanke des Naturdoms erstmals auf. Jetzt war es wieder da, das kleine Naturwunder, was es für mich auch war. Einmal pro Woche wurde die komplette Dinner-Szene mit allen Buffets, Tischen und Stühlen in den Palmengarten verschoben. Wo Palmen sind ist auch Sand, darum kamen alle Gäste zwar ohne Schuhe aber in doch in festlicher heller, mehrheitlich weisser, Ferienkleidung. Scheinwerfer auf halber Palmenhöhe angebracht, erhellten die erwartungsfrohe Stimmung und halfen die ganze Gesellschaft in einen Wachtraum zu versetzen. Weisse Tischtücher, weisse Servietten, die Servicecrew im weissgrünen Outfit, nur mein Rotwein im Glas machte eine Ausnahme. Und das dieser Abend, das diese Stimmung zu etwas ganz besonderem wurde lag sicherlich an vielem, aber ich bin sicher, dass der plötzlich am Himmel erscheinende Vollmond ganz wesentlich hierzu beitrug. Palmen neigen dazu, nicht gerade, wie eine Eiche, in den Himmel zu wachsen. Sie strecken sich, vermutlich vom Wind beeinflusst, wie langgezogene Bögen zum Himmel. Und oben begegnen sie sich und bilden mit ihren Wedeln ein Dach, ein Baldachin. Ich weiss nicht, wie oft ich in Kathedralen, Kirchen und den grossen Domen stand und in den Kuppelspitzen den Lichteinfall beobachtet habe. Damals auf unseren jugendlichen Velotouren durch Europa haben wir keine der bedeutenden Kirchenbauten ausgelassen, egal ob Gotik, Romanik oder Barock, wir waren von den Bauwerken der damaligen Zeit begeistert. Damals als Jugendliche haben wir noch nicht darüber nachgedacht, ob der Chef aller Religionen wirklich solche Prunkbauten für sich beanspruchen würde. Heute ist meine Antwort ganz klar nein. Denn wer in der Natur mit den Mitteln der Natur, es mit Bäumen schafft Kathedralen nicht zu bauen, sondern wachsen lässt, der kann den Steinprunk nicht wollen. Aber leider ist es auch heute noch so, dass manche Würdenträger in einer Naturkathedrale aus Palmen oder Laubbäumen keine Worte für die wirklich Gläubigen finden würden. Schade, ich fühle mich im Laubwalddom wohler. Hier bin ich mit der Natur und mit Gott sehr eng verbunden und nicht vom Talarglimmer, kirchlichem Materialismus, resultierend aus Würdenträges Geldgier, abgelenkt. Danke, dass ich mich an unser Festdinner in der Palmenkathedrale bei Vollmond und guten Gedanken erinnern durfte. Vielleicht treffen sie ja auch mal bei ihren Wanderungen auf eine Naturkathedrale, ich wünsche es ihnen.




im Februar 2014

Freunde, die alles können und machen, sollte man nicht mehr einladen

 

Wir geniessen es, wenn man bei Freunden eingeladen ist. Es ist aber auch schön, wenn Freunde zu uns kommen. Meistens ist es ein Wechselspiel, mal bei uns mal bei den Freunden. In der Regel sind diese gegenseitigen Besuche mit köstlichem Essen und einem guten Wein verbunden. Natürlich hat man sich auch viel zu erzählen und langweilig waren diese Besuche darum wirklich nie. Im Laufe der Jahre hat man auch das eine oder andere persönliche Thema durchdiskutiert. Man weiss inzwischen oder man glaubt zu wissen, was die Stärken und kleinen Schwächen der Freunde sind. Wir kennen den handwerklich begabten Freund, der mit jedem Material und jedem Werkzeug umgehen kann und was er anlangt ist repariert und funktioniert wieder. Im Vergleich dazu habe ich zwei linke Hände und ich verstehe dass es mehr amüsiert und linkisch aussieht, wenn ich mit Hammer und Säge durchs Haus laufe. Vermutlich wird hinter meinem Rücken dann schon heimlich der Sanitätskasten bereit gestellt. Der eine ist ein Rätsel- und Sudoku-Fan, stundenlang wird gebrütet und jedes, fast jedes, Rätsel gelöst. Einer ist ein begnadeter Gemüseanbauer auf kleinster Fläche und eine andere hat alles, nur keinen grünen Daumen. Sie schafft jede Pflanze, auch die in den Töpfen, darum hier nur mit Schnittblumen Freude machen. Diese individuellen und sehr persönlichen Neigungen sind ja auch normal und haben während der Berufszeit auch nicht so eine Rolle gespielt. Jetzt in der 60-plus-Zeit haben mich in der letzten Woche neue und ganz andere Geschichten aus dem Mund unserer Freunde überrascht, irritiert und nachdenklich gemacht. Bei einem Glas Rotwein erzählte unsere Freundin ganz locker, dass ihr Bester jeden Morgen das Frühstück macht und nachher alles wieder versorgt. Ein Frühaufsteher mit Morgenunruhe, habe ich gedacht. Ok, wenn man nicht mehr schlafen kann. Aber dann ging es weiter mit den guten Eigenschaften des Frühstückmachers. Staubsaugen, so erzählte er, wäre schon seit langem sein Job, und das auf allen Stockwerken und mindestens einmal jede Woche. Und mindestens zweimal im Jahr putzt er die Fenster im ganzen Haus und das sind grosse Scheiben. Stolz und eher lustig erzählt er, dass er für die Fensterputzerei seine eigene Technik entwickelt hat. Erstens gehen alle Reinigungsprozesse bei ihm von oben nach unten und nicht von links nach rechts. Dreimal werden die Bahnen durchlaufen, Vorwäsche mit viel Schaum und Wasser, finale Reinigung mit Wasser und dann mit einem breiten Wischer abziehen, natürlich von oben nach unten. Wobei dabei sehr wichtig ist, wenn man Streifen auf der Scheibe vermeiden will, dass die rechte Wischerseite auf einigen Zentimetern mit einem Tuch abgetrocknet werden muss. Mit jedem begeistert vorgetragenen Detail erhellte sich nicht nur das Gesicht des Erzählers, sondern auch das meiner Frau. Ich ahnte schon, wie ihr Kommentar lauten würde: Könntest du nicht mal beim Coni in die Lehre gehen, ich bin sicher du schaffst das auch. Da mich aber keiner vorher gefragt hat, ob ich das auch möchte, habe ich die Aufforderung nicht kommentiert. Innerlich wurde ich doch leicht sauer auf unseren Freund, der im Begriff war, mir den Abend zu versauen. Nachdem ich dann auch noch hörte, dass er für den Einkauf zuständig ist und den Garten immer noch alleine ohne Hilfe eines Gärtners macht und laut Aussage seiner Frau auch sonst noch ein ganz toller Hirsch ist, war mir klar, dass meine Frau die Geschichte von einem Traummann hörte und sich vermutlich den ganzen Abend vorgestellt hat, wie es wäre, wenn auch ich neue Talente entwickeln würde und mit Staubsauger und Putzmaterial durchs Haus laufen würde. Nein danke, war mein Schlusskommentar. Ich bin bereits erster Entsorger, ich räume die Einkaufstaschen aus und den Kühlschrank ein, ich helfe in der Küche, wenn etwas geschnetzelt werden muss und im Garten mache ich noch all das, bei dem ich nicht vom Baum fallen kann oder mein Kreuz bei Arbeiten zu nahe am Boden nicht überbelastet werden kann. Aber unser Freund hat neue Massstäbe gesetzt und ich bin nicht sicher ob ich ihn nochmal ein laden soll, aber vielleicht haben wir dann ein anderes Thema, zum Beispiel meine Schmunzel-Geschichten.



im Januar 2014

Wo landet der übrig gebliebene  Weihnachtszauber schlussendlich ?

 

Wir machen in den letzten Tagen vor Weihnachten noch gerne einen Spaziergang durch die Stadt und die bekannten Shoppingcenter. Der Grund liegt nicht in der Not noch ein Geschenk in letzter Minute beschaffen zu müssen. Nein, seit Jahren haben wir in der Familie die Päcklischlacht unter dem Weihnachtsbaum  aufgehört. Aber es ist immer wieder spannend festzustellen was uns alles so auf diesem Bummel begegnet. In diesem Jahr hatte ich den Eindruck, als wenn es Ende November ist und nicht wenige Tage vor Weihnachten. Egal ob in den Läden oder in den Schaufenstern, alle Fenster und Regale waren immer noch voll oder sagen wir, es wirkte so als wenn von allem noch viel, vielleicht auch zu viel vorhanden ist. Auch ich habe mal am Anfang meiner Berufszeit disponiert und weiss, dass es für zwei Fälle sehr schwierig ist zu disponieren und die richtige Menge einzukaufen und am Lager zu haben. Das eine sind Ersatzteile, weil ganz schwer abzuschätzen ist, wann Teile ausfallen und sofort ersetzt werden müssen. Aber vielleicht gibt es heute Computersysteme, die Vergangenheitszahlen statistisch besser auswerten können und die einen Verschleissmoment sogar vorausberechnen können. Na ja, beim letzteren bin ich nicht so sicher. Und der zweite Fall sind die Saisonalartikel, wie zum Beispiel das Weihnachtsdekoration-Sortiment oder sogar speziell mit Weihnachtmotiven hergestellte und eingepackte Geschenke. Ich stand überall vor einer Menge an Teilen, von denen ich mir nicht vorstellen kann, dass die alle noch Kunden und Liebhaber finden. Das trifft ganz sicher für die vielen Adventskränze zu, egal ob echt mit Tannenzweigen oder aus Holz, Kunststoff oder sogar aus Metall, meistens noch leicht angerostet, weil es alt und traditionell aussehen soll. Wer kauft auch nach dem dritten Advent  noch einen Adventkranz? Und wenn ich die Kerzenwelt mit ihren vielen unterschiedlichen Kerzenständer anschaue und sehe, dass in diesem Jahr grau, anthrazit bis sogar schwarz vorherrscht, dann ist für mich klar, dass diese Farben im nächsten Jahr durch völlig andere abgelöst werden oder ersetzt werden müssen. Diese dunkle Adventsfarbe mag zwar in diesem Jahr modern sein, aber schön ist für mich wirklich etwas anderes. Und schon kommt die Frage: Wohin nach Weihnachten mit den Kerzen, Ständern und den vielen, vielen überzähligen Christbaumkugeln. Selbst die roten, silbrigen und goldenen würden noch für hunderte der auch noch reichlich vorhandenen Tannenbäume reichen. Bei den nicht verkauften Tannenbäumen kann ich mir schon vorstellen, dass die als Brennmaterial oder als Abdeckreisig verwendet werden können. Aber wohin mit dem grauen Dekorationsmaterialien? Landen die alle im Keller, sprich Lager, falls man so viel Platz hat und sich die teuren Quadratmeter für Nichtverkauftes leisten kann. Oder wird alles wieder schön zusammengepackt und an die Lieferanten zurückgeschickt. Bei den heutigen Portopreisen wäre damit einTeil des Weihnachtsgeschäftes schon wieder verloren. Vielleicht ist ja sogar die endgültige Entsorgung mit vorgängiger Vernichtung der günstigste Weg. Das würde ja bedeuten, dass diese Nichtverkaufsmenge und die anschliessende Entsorgung im Preis und der Verkaufskalkulation inbegriffen ist. Na ja, wenn man bedenkt, wie viel von der Ware noch aus Fernost kommt, ist klar, dass die herstellenden Hände kein fröhliches Weihnachtsgefühl haben können. Wie auch, bei dem Stundensatz. Ich habe mal eine Verkäuferin gefragt, wo die überzählige Ware landet. Sie hatte keine Ahnung und wusste nichts. Warum soll sie auch die Sorgen der Chefs teilen? Bei den Weihnachtsmännern aus Schokolade scheint die Lösung klarer zu sein, Papier abmachen, einschmelzen und in die Osterhasenform giessen, denn die nächsten Ostern stehen schon kurz bevor. Aber vielleicht ist ja am Nachmittag des 24. alles ganz anders. Die Gestelle in den Läden leer, unter den Weihnachtsbäumen eine Fülle von neuen Wandergeschenken und die Ladenbesitzer stundenlang beim Geld zählen; das wären doch schöne Weihnachten, für die einen.



im Dezember 2013

 

warum die Meisen, trotz Fütterung, nicht dick werden...

 

Den Winter im letzten Jahr erlebte ich hart und streng mit viel Kälte und Schnee. Das veranlasste auch mich, ein Vogelhäuschen aufzustellen. Doch die Frage war: kaufen oder selber bauen.  Bei der Besichtigung der käuflichen Exemplare stellte ich zwar eine sehr grosse Variantenvielfalt fest, aber alle erschienen mir sehr niedrig und mit kleinen Öffnungen. Und obwohl sie alle eigentlich sehr schön waren, entschied ich mich für einen Eigenbau. Und dies mit dem Hauptgrund, weil  ich möglichst viele hungrige „Piepmatzen“, sprich Vögel beim Picken sehen und beobachten will. Grössere Grundfläche, eine höhere Dachkante, nur zwei tragende Säulen und von allen vier Seiten anfliegbar. Die Dachflächen und Seitenkanten habe ich dann noch mit Naturästen aus dem nahen Wald belegt, so dass es schlussendlich recht gut in die Natur passte. Aufgeschraubt auf eine ca. eineinhalb Meter hohe Stange, die wiederum am Sonnenschirmständer befestigt wurde die Vogelkantine im Garten gut sichtbar aufgestellt. Hohe Tannenzweige und vertrocknete Gebüschäste dekorierten den Aufbau und boten für die Vögel ideale Anflugpunkte. Jetzt kam das Vogelfutter hinein und zusätzlich hängte ich in die Zweige einige Körnersäckli und Fettkugeln. Es dauerte wirklich nicht lange, ich war kaum zurück im Haus und hatte meine Bastelkleidung wieder mit der Freizeitkleidung getauscht, setzte mich erwartungsfroh vor das Fenster und was sah ich: die kleinen Freunde waren schon da. Ich sah Kohl- und Blaumeisen, verschiedene Finken und natürlich unsere Amseln. Zwischendurch, wenn es in der Vogelkantine ruhiger wurde, kam auch der Liebling der Nation, das Rotkehlchen. Ein manchmal wildes Treiben fand rund um die neue Körnerplattform statt. Es war interessant zu beobachten, wie jeder Artgenosse ein anderes Ess- und Sozialverhalten zeigte. Die männliche Gelbschnabelamsel nimmt immer mitten im Häuschen Platz und lässt neben sich keinen anderen hungrigen Mitesser ins Häuschen. Frau Amsel hingegen pickt alles was auf den Rasen herunterfiel und stolziert trotzdem erhobenen Hauptes durch den garten. ich sah sie noch nie im Häuschen picken. Die Finken müssen toleranter sein lieben es in Gesellschaft zu speisen. Sie tolerieren sich und geniessen in der Finkenrunde die Mischkörnerdelikatessen. Und dann die Meisen, fliegen über die Einflugzweige ein, picken ein Körnchen und weg sind sie wieder, auf dem Flug in Nachbars Garten. Sobald der Körnlibraten heruntergeschluckt ist, kommen sie wieder und holen das nächste Körnchen. Nur wenn gerade die Finken, das Amselmännchen oder gar ein Meisenkollege im Häuschen sitzt, drehen sie eine Zwischenrunde und fliegen, sobald alle wieder weg sind, erneut ein. Picken, Fliegen Schlucken und wieder Fliegen, das ist es: kein Essen ohne anschliessende Bewegung, darum können die Meisli nicht dick werden, trotz liebevoller Fütterung. Es ist schön und spannend diesen Vogelfamilien zuzuschauen. Jetzt mit meiner neuen Zeit ist dies möglich. Früher ging und kam ich im Dunkeln und wusste und sah nichts von dieser Vogelwelt.  Und jetzt soll, wenn der Winter vorbei ist, es wieder fertig sein mit der Betreuung der Vogelkantine? Doch zum Glück schenkte mir ein lieber Freund das Buch von Prof. Dr. Peter Berthold: Vögel füttern – aber richtig. Und was lese ich da? Das ganze Jahr Vögel füttern und  schützen – jetzt muss ich das nur noch im Detail studieren um rauszufinden, was richtig füttern heisst. Wenn ich dann sicher bin, werde ich die Erkenntnis in der Vogelkantine bekannt machen.




 

 

 


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